Emil, der die Luft heute rein wähnte, rauchte seine Zigarette, wobei er den Rauch immer durch die Nase zog. Nun vergaß er aber den nächsten Zug. »W—as? Die Gnädige fängt auch so an? Ja, wie soll ich mich denn da zerteilen? Aber ich weiß schon — einmal unten, einmal oben.«
Die Zigarette im Munde, jonglierte er mit den Händen. »Nächstens komme ich mit dem Aufzug zu Euch rauf.«
Abermals lachten die Mädchen, die eine laut, die andere still. Stets, wenn er so seine Witze machte, amüsierten sie sich über ihn, denn er war gelenkig wie eine Gliederpuppe und hatte ein gewisses schauspielerisches Talent, das urwüchsig war, wie oft bei aufgeweckten Berliner Jungen. Besonders hatte er die Gabe, Menschen nachzuahmen, und das tat er mit Vorliebe hier in der Küche.
»Paßt mal auf, ich werde Euch den beleidigten Kandidaten zeigen.«
Er hatte an jenem Morgen nach der Anmeldung Fröhlichs bei Roderich alles durch die offene Tür mit angesehen und vom Verandasaal aus die Unterhaltung gehört. Und so knöpfte er sich jetzt die Hausjacke zu, so daß er wie in einer Wurstpelle steckte, tat so, als streifte er die Handschuhe über, nahm einen Blechdeckel als Hut in die Hand und schritt mit eingedrückten Knieen würdevoll auf die Köchin zu, die den Hausherrn vorstellen sollte.
Und nach einer tiefen Verbeugung redete er den größten Blödsinn zusammen, aus dem aber entschieden die Sprechweise Fröhlichs herausklang. Dann trat er zurück und wiegte sich mehrmals auf den Fußsohlen hin und her, was aber mehr ein Hüpfen war. Schließlich erdichtete er eine große Schlußszene ... »Herr Bankdirektor, ich bin in Fräulein verschossen, ich möchte heuraten. Ich bitte um eine kleine Gehaltszulage von fünf Mark. Auch mit einem Vorschuß von zehn Mark wäre mir gedient. Außerdem hat mich Ihr Herr Sohn beleidigt. Das kostet eine Zigarre extra. Aber keine zu starke, wenn ich bitten darf, sonst wird mir schlimm danach. Und was den jüngsten Herrn Sohn betrifft, so macht er große Fortschritte. Ich kann noch zehn Jahre in Ihrem Hause bleiben.«
Abermals machte er einige Verbeugungen, wobei er diesmal rückwärts ging, und zwar so, daß er fortwährend stolperte. Den Topfdeckel schwenkte er wie einen Chapeau-Claque und die freie Hand schlug er gegen die Brust, wie zur Beteuerung seiner Ehrfurcht. Dann rannte er gegen den Küchenschrank, machte auch vor diesem eine Verbeugung und bat um Entschuldigung.
Das Hausmädchen hatte sich nicht mehr halten können, war auf einen Schemel gesunken, machte fortwährend Luftbewegungen mit den Armen und brachte sogar diesmal hörbare Heiterkeitstöne hervor.
Die Köchin jedoch schien zu platzen vor Lachen, denn ihr Gesicht war völlig rot. Sie strampelte vergnügt mit den Beinen und schlug mit der flachen Hand fortwährend auf den Tisch, daß es klatschte. Sobald sie Atem schöpfen konnte, rief sie wiederholt: »Nee sowas, nee sowas! Das reene Theater!«
»Der arme Kandidat! Was for'n guter Mensch doch,« sagte Emma endlich begütigend.