Heinrich sah ihn froh überrascht an. „Meine Zustimmung,“ entgegnete er, „haben Sie durchaus.“ — „Das glaub’ ich,“ versetzte der Intendant erheitert, „an einem Feiertag! Das Haus wird voller werden, als das erstemal.“ — „Ich bin Ihnen zum größten Danke verpflichtet!“ rief der Glückliche. — Der Herr, ihn ansehend, fuhr fort: „Es wird eine zweite Probe seyn, vor einem neuen Publikum; aber Ihr Stück wird sie bestehen. Also es hat mich von Herzen gefreut, und ich gratulire nochmals.“ Der Poet empfahl sich.

Als er im Vorzimmer den Ueberrock anzog, traten die beiden Regisseure herein. Heinrich, sie grüßend, zeigte ein Gesicht, welches nicht nur den Sarkastischen, sondern auch den Ernsten zum Lächeln reizte.

„Sie blühen ja wie eine Rose!“ rief Hallfeld. — „Austausch des Vergnügens zwischen Theatervorstand und Dichters!“ erklärte Berger. „Anwartschaft auf ungezählte künftige Triumphe!“ — „Der Herr,“ bemerkte Hallfeld, „will Ihnen in der That sehr wohl.“

„Er liebt die Bescheidenheit,“ fuhr der Andere fort, „die Dankbarkeit, das gute Herz!“ — „Verbunden mit der Kunst, ein Stück zu schreiben, das volle Häuser macht,“ ergänzte Hallfeld. — „Also übermorgen? in der großen Halle?“ — Heinrich, den Besuch auf der Bühne zusagend, verabschiedete sich.

Sonst war dieser Tag der Besuche noch durch ein zufälliges Treffen bezeichnet, das der Poet im Grund herbeigewünscht hatte. Nachmittags, als er in der besten Laune die Hauptstraße hinabspazierte, kam Professor Sartorius gegen ihn heran. War das nicht eine vom Geschick ihm zugewendete Genugthuung? Sich instinktmäßig zusammennehmend ging er dem Gelehrten entgegen, grüßte mit der edeln Freundlichkeit eines Mannes, der wohlverdiente Achtung ansprechen kann, und erwartete nun in dem Gesicht des Widerlegten etwas davon zu sehen. Das war freilich eine Täuschung. Der Begrüßte dankte mit einem Ausdruck von Aerger und Spott, wie über jemand, der auf zufälliges Glück unangenehme Ansprüche gründen will, und ging vorüber.

Wir können verrathen, daß das Benehmen des Ehrenmannes eine Frucht häuslichen Verdrusses war. Ein jüngerer Professor der Anstalt, der Heinrichs Drama gesehen, war nach Tisch bei der Familie gewesen, hatte über den Erfolg berichtet und die Arbeit gerühmt. Als er wieder fort war, sagte die Frau mit stillem Vorwurf zum Gemahl: „Wir hätten diesen Born doch einmal einladen sollen!“ — „Warum?“ fragte jener mit Stirnrunzeln. — „Weil er ein talentvoller Mann ist,“ versetzte die Gattin; „viel mehr, als du’s ihm angesehen hast.“ — „Pah!“ rief der Professor; „er hat ein Rührstück verfaßt, das den Unwissenden gefällt.“ — „So?“ rief die Frau, „gehört Professor Holm zu den Unwissenden?“ — „Holm ist ein guter Mensch, aber auch ein Schöngeist,“ entgegnete der Mann. — „Holm —“ wollte die Gattin fortfahren; aber jener fiel aufgebracht ein: „Geh! Laß mich ungeschoren mit deinen Belletristen!“ Sehr verdrießlich ging er in sein Studierzimmer zurück, wo sich die Stimmung gegen einen Menschen, der ihm eine Verlegenheit bereitet hatte, begreiflicherweise nicht verbessern konnte. Aber auch ihm sollte eine Freude, eine Genugthuung werden, und der Poet sollte seine Ansicht über die Natur der Menschen vervollständigen.

Am andern Morgen faßte Heinrich zunächst einen Bericht an seine Eltern ab, worin er seine baldige Ankunft meldete. Er that seinem Herzen recht Genüge und malte alles, wovon er wußte, daß es die liebenden Seelen erquicken und für die bewiesene Ausdauer belohnen würde, mit glänzenden Farben. Dann, nach Erholung trachtend, ging er an dem schönen Morgen in eine Restauration.

Er saß behaglich in einer Ecke, als ihn eine Neugier überkam, ob die Blätter noch keine Kritiken seines Dramas enthielten. Rasch ging er die im Lokal vorhandenen durch; zwei Besprechungen waren da, von Emil Schilf und von Dorn.

Da er von dem erstern mit Recht nicht viel Gutes erwarten konnte, nahm er die Auslassung des Befreundeten vor. Bei der dritten Zeile schon verdunkelte sich sein Antlitz bis zu tiefem Roth. Er las weiter, starrte auf die Buchstaben, wie einer, der zu träumen glaubt, schüttelte zornig den Kopf und warf endlich das Blatt mit dem Rufe weg: „Aber das ist ja eine wahre Bestie!“

Die Kritik, die so übel auf ihn wirkte, lautete: „Wer noch daran gezweifelt hätte, daß Theater und Drama bei uns immer größerem Verfall entgegen gehen, der konnte vorgestern in unserem Hoftheater den Beweis davon erlangen. Das Publikum (allerdings, wie leicht zu sehen war, unter Anführung einer wohlvertheilten Claque) hat ein Schauspiel mit Beifall aufgenommen, das wir zu den geistlosesten Produkten rechnen müssen, womit wir in den letzten Jahren gestraft worden sind. Das Thema so abgedroschen als möglich, der Dialog von der plattesten Art; edelseynsollende Personen, die im gewöhnlichen Verkehr langweilig, in Rührscenen durch Prätension widerlich und lächerlich sind; ein schlechter Geselle, der nur dazu erfunden ist, damit jene in Edelsinn machen können; und ein Ausgang wörtlich nach Schiller: