Rosa, indem ein seliges Licht ihr Antlitz verklärte, erwiederte: „Da es nun doch einmal heraus ist, ja! Und von Herzen gern!“
Nun hatte der Glückliche keine Worte mehr. Er umfing die Geliebte und küßte die Lippen, die so lieblich entschieden hatten, mit dem Feuer der innigsten Leidenschaft, mit Thränen der Rührung und der Freude. Rosa schauerte zusammen. Endlich, endlich fühlte sie die Seligkeit der Gegenliebe!
Aus dem Wonnerausch, in den ihr ganzes Wesen getaucht war, sich erhebend und den Geliebten mit nassen Augen zärtlich ansehend, rief sie: „Wie schön ist Alles gegangen! Ich würde mir nichts nehmen lassen von dem, was ich erduldet habe! Zum glücklichen Leben bleibt uns noch Zeit genug, und es thut wahrhaftig gut, wenn man vorher etwas ausgestanden hat! Wie wird sich die Mutter freuen! — die Mutter,“ setzte sie horchend hinzu, „die, wie ich höre, so eben die Thüre aufschließt!“
Einen Moment später erschien die gute Frau, und zwar mit großer Genugthuung, im Zimmer und wollte eben reden, als sie den Poeten erblickte und ihn überrascht ansah. „Doctor Born!“ rief sie, „Sie sind hier, mit Frau Gemahlin?“
Heinrich schüttelte erröthend, lächelnd den Kopf und ging auf sie zu, ihre Hand zu fassen. Rosa, mit anmuthiger Heiterkeit, antwortete für ihn: „So gut ist’s uns nicht geworden! Man hat sich für einen Andern, einen Reichern entschieden; als der Poet kam, war die schöne Hand vergeben und die gepriesenen Lippen der Angebeteten wünschten ihm glückliche Reise. So ist er nun wieder hier, ein armer Betrogener, mit wundem Herzen Trost suchend bei seinen Freunden in der Residenz, welche sich dießmal ausnahmsweise etwas herzlicher benommen haben, als die Leute draußen im Land, wo die Biederkeit zu Hause ist.“
Die Mutter sah von einem auf’s andere, sah die Gesichter glücklich, die Augen strahlend von Liebe, und ahnte, wußte die Wahrheit. Rosa nickte der gerührt Blickenden zu und sagte: „Du erräthst es, liebe Mutter! Ja, er hat sich bekehrt! er liebt mich, liebt mich so schön, wie man’s nur wünschen kann — und hat um meine Hand angehalten! Werden wir ihm einen Korb geben?“
Die Frau lächelte und schwieg: „Was du thun wirst,“ versetzte sie dann, „weiß ich nicht. Ich für meine Person hab’ einen Korb in Bereitschaft.“ — „Wie!“ rief Heinrich, einen Scherz erkennend, mit heiterer Frage. — „Den Korb mit dem Hochzeitsgeschenk,“ erläuterte die Gute, indem sie ein groß besiegeltes Schreiben hervorzog. — „Ah!“ rief die Tochter ahnend, „das ist dein Geheimniß?“ — „Allerdings,“ versetzte jene, indem sie ihr den Brief übergab. „Dein Erfolg von letzthin hat meine Bemühungen unterstützt: du bist aufgerückt und dein Gehalt beinahe verdoppelt!“
Rosa öffnete das Schreiben der einsichtsvollen Intendanz, überflog es und rief: „Tausend mehr — das ist stark! — Aber gut!“ setzte sie mit einem Blick auf den Poeten hinzu, — „sehr gut! Wir werden es zu brauchen wissen.“
Der Poet nickte erheitert, sagte dann aber: „Ich sehe, du meinst, ich selber bringe nichts als meine Lieder und meine Liebe! Erlaube mir, daß ich doch noch eine kleine Rente hinzufüge, die meine guten Eltern mir ausgeworfen haben — für den Haushalt.“ — „Wie schön!“ rief das Mädchen und faßte lächelnd seine Hand.
„Ich will es bekennen,“ fuhr Heinrich fort, „ich bin hierher gekommen mit einer Liebe, die ich zu verbergen entschlossen war; aber die Hoffnung ließ ich mir nicht völlig rauben. Ich wollte schweigen, aber schweigend die unendlich Geliebte zu verdienen, zu gewinnen suchen, wie lange es dauern mochte. Das hab’ ich meinen Eltern gestanden, und sie, welche die edelsten Seelen aus meinen Schilderungen kannten, gaben mir ihren Segen dazu. „Versuche dein Glück,“ sagte die gute Mutter zum Abschied; „eine bessere Frau wirst du in der ganzen Welt nicht finden.“ Und weil es denn doch eine Gnade gibt in der Welt, so hab’ ich sie gefunden und,“ setzte er mit liebendem Blick auf die Mutter hinzu, „zur besten Frau die beste Schwiegermutter!“