Zehntes Kapitel.

An demselben Tage, wo es in Stargorod so lustig herging, spielte sich weit draußen in dem gelben Stübchen des verbannten Propstes eine Szene anderer Art ab. Natalia Nikolajewna bereitete sich zum Sterben.

Gewissenhaft und sparsam, wie sie war, hatte die Pröpstin während der ganzen Zeit ihres Aufenthaltes bei ihrem gemaßregelten Gatten sich ohne Bedienung beholfen und allerlei Arbeit auf sich genommen, an die sie nicht gewohnt war und die ihre Kräfte weit überstieg. Als sie bei dem letzten Fünfundzwanzigrubelschein in ihrer Schachtel angelangt war, erschrak sie, daß sie bald ganz ohne Geld sein würde, und beschloß, ihren Hauswirt, den Gendarm, zu bitten, ihnen die Miete zu stunden, bis der Propst wieder begnadigt sei. Der Gendarm ging darauf ein, Natalia Nikolajewna aber hielt das vor ihrem Gatten streng geheim und suchte auf jede Weise das Geld beim Hauswirt abzuverdienen: sie grub mit seiner Magd Kartoffeln, hackte Kohl und spülte ihre Wäsche selbst im Fluß.

Jedoch das war zu viel für ihre Jahre und ihre schwache Gesundheit. Sie erkrankte und mußte das Bett hüten.

Der Propst machte ihr Vorwürfe wegen ihrer übergroßen Sorgsamkeit.

»Du glaubst, du hilfst mir,« sagte er, »aber als ich hörte, was du getan hast, verdoppelte das meine Qualen.«

»Vergib,« flüsterte Natalia Nikolajewna.