»Mag er doch, wenn es ihm Vergnügen macht,« sagte der Propst leise.
Nikolai Afanasjewitsch fuhr lebhafter fort:
»Ja, und es passieren ganz seltsame Geschichten mit diesem Hündchen, Vater Propst. Er hat diesen Hund, wie schon seine früheren, lachen gelehrt, und wenn er zu ihm sagt: ›Lache, mein Hündchen‹ – dann zeigt es gleich die Zähnchen. Nun machte ihm aber der Gedanke Sorge, wie er das Tierchen nennen sollte.«
»Als ob es dem Vieh nicht ganz gleichgültig sei, wie man es nennt,« sagte der Propst scheinbar gelangweilt.
Aber der Zwerg hatte schon gemerkt, daß sein Gefährte den Geschichten vom Diakon Achilla mehr Teilnahme entgegenbrachte als seinen sonstigen Reden, und fuhr deshalb fort:
»Man sollte es meinen. Aber dem Vater Diakon ist es nicht gleichgültig. Er ist nun mal so ein Charakter: hat er sich was in den Kopf gesetzt, dann hat er auch keine Ruhe mehr bei Tag und Nacht. ›Ich habe‹, sagt er, ›dies Hündlein bei einer besondern Gelegenheit in sehr erregter Stimmung heimgebracht, und ich will, daß es zur Erinnerung an diesen Tag auch einen besondern Namen habe, einen Namen, wie er sonst nicht vorkommt.‹«
Der Propst lächelte.
»So kam Vater Achilla eines Tages zu mir nach Plodomasowo geritten, hielt auf seinem Rosse vor meinem und meines Schwesterleins Fenstern an und rief mit Donnerstimme: ›Nikolascha! Heda, Nikolascha!‹ Ich dachte: ›Herrgott, was ist denn da passiert?‹ schaute zum Fenster hinaus und fragte: ›Ist am Ende dem Vater Sawelij noch etwas Schlimmes widerfahren, Vater Diakon?‹ – ›Nein,‹ entgegnete er, ›nichts dergleichen, aber ich habe ein wichtiges Anliegen an dich, Nikolascha. Ich muß dich um Rat fragen.‹ – ›Um was handelt sich's denn?‹ rief ich hinunter. ›Macht schnell, wertester Herr, denn mir wird's kalt, wenn ich so lange am offenen Fenster stehe. Ich vertrage das nicht.‹ – ›Du hast dich‹, sagte er, ›von klein auf in herrschaftlichen Häusern umgetan und mußt alle Hundenamen wissen.‹ – ›Da verlangt Ihr zu viel,‹ sagte ich. ›Ein jeder nennt seinen Hund so, wie's ihm paßt.‹ – ›Na also,‹ schrie er zurück, ›dann leg mal los!‹ – Ich antwortete, der Name richte sich doch meistens nach der Rasse. Die Windspiele nenne man ›Mylord‹, unsere einfachen Hunde ›Barbos‹, die englischen ›Fanny‹, die kurländischen ›Charlotte‹ … ›Aber‹, unterbrach mich der Vater Diakon, ›du sollst mir einen Namen nennen, der sonst nirgends vorkommt. Du mußt einen solchen wissen!‹ ›Herrgott, wie beruhige ich den Menschen nur?‹ dachte ich.«
»Nun, und was hast du schließlich gemacht?« fragte Tuberozow neugierig.