Meister Popygin als biederer Russe verstand ihn besser: sie maßen alles nach Schritten und mit ausgestreckten Armen ab und schlossen einen mündlichen Vertrag, den sie durch Handschlag besiegelten. Damit war die Bestellung gemacht und der Bau der Pyramide begann. Achilla sah zu, wie man die riesigen Steine schob, wendete und glättete und war über ihre Dimensionen entzückt.

»So ohne Maßstab ist's viel besser,« sagte er, »wie es uns paßt, so bauen wir.«

Der russische Meister Popygin stimmte ihm durchaus bei.

Tuganow ließ sich von Achilla über die Fortschritte der Arbeit Bericht erstatten und widersprach ihm weder, noch stritt er mit ihm. Er suchte den Recken durch das Denkmal bei Laune zu erhalten, wie man einem betrübten Kinde ein Spielzeug gibt.

Nach einer Woche war sowohl die Pyramide als auch die Inschrift fertig, und der Diakon kam zu Tuganow und bat ihn, das Wunderwerk seiner schöpferischen Phantasie in Augenschein zu nehmen. Es erwies sich als furchtbar breite, etwas plattgedrückte Pyramide, mit einem Kreuz oben und je einem großen holzgeschnitzten, vergoldeten Cherub an den vier Ecken.

Tuganow betrachtete das Monument. »Das lebt!« sagte er, und der Diakon war beglückt. Die Pyramide wurde auseinandergenommen und ihre Teile auf neun Schlitten nach Stargorod geschafft. Auf dem zehnten Schlitten, der die Karawane beschloß, saß Achilla selbst, zusammengekauert, in einem speckigen Schafpelz zwischen den vier vergoldeten, in Matten gewickelten Cherubim. Er war immer noch ganz entzückt von der Herrlichkeit des Denkmals, aber in dieses Entzücken mischte sich eine gewisse Unruhe: er fürchtete, es könnte jemandem einfallen, an seiner Pyramide Kritik zu üben, an dieser einzigartigen Schöpfung seines Geistes und Geschmacks, dem Zeugnis seiner Ergebenheit und Liebe zu dem entschlafenen Sawelij. Um dem zu entgehen, beschloß Achilla, den Aufbau möglichst im geheimen zu bewerkstelligen. Als er daher Stargorod erreicht hatte, ging er nachts nur zu Zacharia und erzählte ihm von allen Schwierigkeiten, die er bei der Herstellung der Pyramide zu überwinden gehabt hatte.

Es gelang dem Diakon aber nicht, unbemerkt das Monument zusammenzustellen. Die auf den Schlitten lagernden Teile der Sawelij-Pyramide erregten gleich am nächsten Morgen allgemeines Aufsehen. Die sich scharenweise herandrängenden Städter interessierten sich besonders für die unter den Matten hervorblinkenden Arme und Flügel der vergoldeten Cherubim. Die Biederleute stritten heftig über die Frage, was das wohl für Engel sein mochten: silberne oder vergoldete.

»Silbern und vergoldet und von innen mit Brillanten gespickt,« erklärte Achilla und trieb die Mitbürger auseinander, die sich um die Arbeiter drängten.

Auch die feinen Herrschaften ärgerten den Diakon. Diese schienen ihm eigens zum hämischen Kritteln gekommen zu sein.