Fünfzehntes Kapitel.
Achilla knickte augenblicklich unter dem ihn niederdrückenden Teufel zusammen, packte ihn dann an den Pfoten und riß dieselben so kräftig, daß das Kinn des Teufels dröhnend gegen seinen Scheitel schlug und gleichsam daran kleben blieb. Der Teufel, der darauf nicht gefaßt gewesen war, fing verzweifelt an zu zappeln, sah aber die Vergeblichkeit seiner Bemühungen bald ein, wurde still und blieb nach einem dumpfen Seufzer auf dem Rücken des Diakons hängen. Es war ihm nicht nur unmöglich, sich loszureißen, sondern er vermochte sogar kein Wort herauszubringen, denn sein Kiefer war wie mit einer Presse gegen den Schädel Achillas gepreßt. Die einzige Bewegung, welche der böse Geist zu machen vermochte, war das Strampeln mit den Beinen. Diese Möglichkeit beutete er aber auch mit höllischer Lust und Arglist aus.
Achilla, der den Teufel ebenso leicht auf seinem Rücken hielt, wie ein gesunder Bauer eine Garbe Erbsenstroh, tat ein paar Schritte rückwärts, nahm einen Anlauf und sprang über den Graben. Der gewandte Teufel benutzte diesen Moment, seine Beine um die ausgespreizten des Diakons zu schlingen, gerade als sie beide jenseits des Grabens angelangt waren. Der so plötzlich in seiner Bewegung gehemmte Achilla verlor das Gleichgewicht und stürzte mit seiner Last in den mit kaltem, schneeigem Brei gefüllten Graben.
Beinahe hätte die furchtbare Kälte ihn veranlaßt, seine Hände zu öffnen und den Teufel loszulassen, doch überwand er sich und hielt nach anderen Rettungsmöglichkeiten Umschau. Doch schien es die nicht zu geben; die glatten Grabenwände bedeckte eine Eisschicht, so daß es unmöglich war, an ihnen emporzuklimmen, ohne sich der Hände zu bedienen. Dazu aber hätte Achilla den Teufel loslassen müssen und das wollte er durchaus nicht. Er versuchte zu schreien, doch niemand hörte ihn, und wenn ihn auch jemand gehört hätte, so würde er seine Tür nur noch fester verschlossen und gesagt haben: »Da hat der Teufel schon wieder einen am Wickel.«
Der Diakon begriff, daß er von der geängstigten Bevölkerung keine Hilfe zu erwarten habe. Trotzdem wollte er den Teufel nicht loslassen, und so hockten beide im Graben und froren. Sie waren fast völlig erstarrt und hätten vielleicht hier ihren Tod gefunden, wenn nicht ein Zufall ihnen zu Hilfe gekommen wäre.
Frühmorgens zog ein Spiritustransport nach der Stadt. Als er am Friedhof vorbeikam, bemerkten die Bauern im Graben eine seltsame Gruppe. Sie machten Halt, ergriffen aber entsetzt die Flucht, als sie das blaue Gesicht eines Mannes erkannten, über dem sich die gehörnte Teufelsfratze emporreckte. Der halberstarrte Achilla nahm seine letzte Kraft zusammen, rief die Leute zurück, befahl ihnen, auf den Teufel aufzupassen, zog die rechte Hand aus dem Graben heraus und bekreuzigte sich.
»Es ist ein Christenmensch, Kinder!« riefen die Bauern, zogen den Diakon und den Teufel heraus, steckten einen Strohhalm in das Spundloch eines der Fässer und setzten Achilla davor. Den Teufel aber warfen sie vorn auf den Schlitten und fuhren weiter zur Stadt.