»Ich? Ich Angst vor Tuberozow?«

»Ja freilich. Es sieht so aus, als wäre sogar Ihre Nase ganz grün geworden, wie ich sagte, er wolle hierher kommen.«

»Meine Nase grün geworden? Ich versichere Sie, das kommt Ihnen nur so vor. Wie wenig ich ihn fürchte, will ich Ihnen heute noch beweisen.«

Mit diesen Worten erhob sich Prepotenskij und ging hinaus. Der Gast ahnte nicht, was für kühne Gedanken in diesem Augenblick im verzweifelten Gehirn Warnawas keimten und reiften. Der geneigte Leser aber soll es im nächsten Kapitel erfahren.


Sechzehntes Kapitel.

Nachdem er das Zimmer verlassen, schlüpfte Prepotenskij in eine kleine Scheune, entledigte sich seiner Oberkleider und kletterte auf den Heuboden. Mit großer Anstrengung schob er zwei Deckbretter auseinander und kroch durch den ziemlich engen Spalt in einen kleinen, von außen verschlossenen Speicher. Bunt durcheinander lagen dort Töpfe und Bütten, an der Decke hing ein Schinken, auf Stöckchen waren Bündel von Bohnenkraut, Pfefferminz und Dill gespießt. Der Lehrer ließ alle diese Gegenstände unberührt. Er stieg auf eine hohe Truhe aus Tannenholz mit schrägem Deckel und holte einen großen, leicht gewölbten Trog herunter, der so blank wie das Schaufenster eines Spiegelgeschäfts gescheuert war. Mit dem Trog kroch er wieder in die Scheune zurück, wo er die unseligen Totengebeine sehr geschickt versteckt hatte.

Niemand dachte daran, dem Lehrer nachzuspüren, er aber war es schon so gewohnt, seine »Lage« für »gefährdet« zu halten, daß er sich nirgends sicher fühlte. Immer mußte er sich verkriechen und verstecken, weil er dachte, sonst wäre es ihm unmöglich, sein Unternehmen zu beginnen und im geeigneten Augenblick mit allem Pomp zur Ausführung zu bringen.

Eine Stunde mochte seit Warnawas Verschwinden vergangen sein, und es begann zu dämmern, als der Ring an dem wackeligen Pförtchen der Prepotenskijschen Behausung klirrte.