»Ihr habt mich vor dem ganzen Volke gekränkt, Vater Diakon,« antwortete Danilka in einem Tone, der zwar noch immer beleidigt, aber doch auch schon ein wenig nach Friedensbereitschaft klang.

»Nun, was willst du mir dafür tun, daß ich dich gekränkt habe? Ich weiß, daß es eine Kränkung war, aber wenn ich streng bin … Ich habe es ja nicht aus Frechheit getan. Schon im vorigen Jahr, als ich dich ertappte, wie du im Vorhause beim Polizeichef das Meßgewand des Propstes angelegt hattest und den Weihwasserwedel schwenktest, sagte ich zu dir: ›Du kannst über die Schrift philosophieren, soviel du willst, Danilka, von der Wissenschaft verstehe ich selbst nicht viel, aber den Ritus darfst du mir nicht antasten.‹ – Hab' ich das gesagt oder nicht?«

Danilka schüttelte widerwillig den Kopf und brummte:

»Vielleicht habt Ihr so was gesagt.«

»Nein, mein Lieber, keine Winkelzüge! Gestehen sollst du! Ich hab' es deutlich ausgesprochen: den Ritus nicht antasten, und damit basta! Und warum sagte ich das? Weil es unser Lebensinhalt ist, unsere Wesenheit, deshalb hast du auch deine Finger davon zu lassen. Hast du mich verstanden?«

Danilka drehte sich nur zur Seite und lächelte. Ihm selbst war es furchtbar komisch vorgekommen, als der Diakon ihn am Ohr durch die ganze Stadt zerrte, und die andern Kleinbürger, welche Zeugen dieser Szene waren, hatten, im Scherz und mühsam das Lachen verbeißend, dem Diakon ebenfalls übermäßige Strenge vorgeworfen.

»Ihr seid zu streng, Vater Diakon! Ihr seid übermäßig streng,« hatten sie ihm gesagt.

Achilla machte nach dieser Bemerkung ein nachdenkliches Gesicht, und mit einem tugendhaften Seufzer seine Hände auf die Schultern der beiden zunächst stehenden Kleinbürger legend, meinte er:

»Streng, sagt ihr? Ja, gewiß bin ich streng, da redet ihr wahr. Aber dafür bin ich auch gerecht. Wenn nun diese Sache vor den Friedensrichter käme? Da ginge es doch viel schlimmer. Er knöpft einem sofort drei Rubel zum Besten der Kinderbewahranstalten ab.«