»Wer weiß? Mancher Friedensrichter gibt einem dafür noch einen Rubel Trinkgeld.«

»Na siehst du wohl! Ich weiß, daß ich gerecht bin, mein Lieber.«

»Gerecht? Ach nein, Vater Diakon, Eure Gerechtigkeit ist nicht weit her!«

»Wieso?«

»Weil doch der Danilka gar nicht so viel Schuld hat. Er hat doch nur wiederholt, was der gelehrte Mann ihm sagte. Wenn's nach Recht ginge, müßtet Ihr den Lehrer Warnawa zur Vernunft bringen. Er hat uns das erklärt, Danilka hat bloß gezweifelt, ob der Lehrer recht hat und der Regen von selber durchs Naturgesetz gekommen ist, oder ob ihn doch der Bittgottesdienst hervorgerufen hat. Wenn Ihr den Lehrer durchgewalkt hättet, so wäre das nur recht und billig gewesen.«

»Den Lehrer?!« Der Diakon breitete die Arme weit aus, schob die Lippen rüsselförmig vor, stand einen Augenblick vor den Kleinbürgern und flüsterte dann: »Gerecht? Ja, die Gerechtigkeit verlangt es … Aber Vater Sawelij will es nicht … und also ist es unmöglich …«


Zweites Kapitel.

Mehrere Tage waren vergangen. Tuberozow hatte sich überzeugt, daß seine Befürchtungen, die unbändigen Taten des Diakon Achilla könnten noch ein gerichtliches Nachspiel haben, unbegründet waren. Alles ging gemütlich seinen gleichen Gang. Die Leute suchten Abwechslung in ihr eintöniges Leben zu bringen, indem sie sich zankten, um sich wieder zu versöhnen, und sich versöhnten, um sich wieder zanken zu können. Nichts drohte die allgemeine Ruhe zu stören. Im Gegenteil, dem Propst ward ein wunderschöner Tag beschieden, der ihm nichts als Freude brachte. Es war dies der Namenstag der Frau Stadthauptmann, der sehr bald auf jenen Tag folgte, an dem Achilla in seinem Glaubenseifer den öffentlichen Skandal mit dem Kommissar Danilka hervorgerufen hatte. Als alle Gäste der Pastete des Herrn Polizeichefs die gebührende Ehre erwiesen hatten, rief der Hausherr, welcher zufällig ans Fenster getreten war, plötzlich laut seiner Frau zu: