»Ach du lieber Gott! Sieh nur, Frau, was für Gäste wir bekommen!«
»Wer kommt denn da?« fragte die Frau.
»Sieh mal selber nach.«
Die Hausfrau, und mit ihr alle anwesenden Gäste, stürzten ans Fenster, und nun sah man, daß sich ein mächtiges Dreigespann kräftiger brauner Pferde vorsichtig den Berg herunter bewegte, fast wie ein dreiköpfiger Drache, der auf dem Bauche kriecht. Das mittlere Pferd bläht sich auf und strampelt, wie ein alter General, der einem Untergebenen eine Pauke halten will. Die Seitenpferde sausen bald, wie Ulanenkornetts auf dem Ball, die ein Gegenüber suchen, bald drängen sie sich an das Mittelpferd, wie Schafe im Regen. Das rote Glöcklein schlug manchmal mit dem Ring gegen den Rand, dann schien es wieder wie festgeklebt und schwieg; nur die Schellen klirrten dumpf. Jetzt war der dreiköpfige Drache unten angelangt und breitete sich aus. Die Rücken der Pferde wurden sichtbar, der Schweif des einen Seitenpferdes wehte hoch im Winde; auch eine Mähne flog empor; die Pferde hielten gleichmäßigen Trab und der Wagen polterte über die Brücke. Deutlich sah man das vergoldete Krummholz mit eingeätzten Ornamenten und den großen altertümlichen, bronzebeschlagenen, gitarrenförmigen Wagen, auf dem nebeneinander, wie auf einem Sofa, zwei kleine Geschöpfe, ein weibliches und ein männliches, saßen; der Mann in einem dunkelgrünen Kamelot-Mantel und einer großen Mütze aus haarigem Plüsch, die Frau in einem schlafrockartigen Mantel aus himbeerfarbenem Gras-de-Naples mit einem lila Samtkragen und einer Haube mit braunen Bändern.
»Mein Gott, das sind ja die Plodomasowschen Zwerge! – Nicht möglich! – Sehen Sie doch selbst! – Ja, richtig! – Gewiß doch! Da – Nikolai Afanasjewitsch hat uns schon bemerkt. Sehen Sie, er grüßt! Und jetzt nickt auch Maria Afanasjewna.«
So tönte es erfreut von allen Seiten. Die Gastgeber beeilten sich, für die Ankömmlinge das Frühstück wieder auftragen zu lassen, und die Anwesenden richteten die Blicke gespannt nach der Tür, durch die die kleinen Leute eintreten mußten.
Voran schritt ein altes Männlein, nicht größer als ein achtjähriger Knabe, gefolgt von einem alten Frauchen etwas größeren Wuchses.
Das Männlein war ganz Sauberkeit und Wohlanständigkeit. Auf seinem Gesicht war nichts von gelben Flecken oder Runzeln zu sehen, wie sie gewöhnlich die Gesichter von Zwergen entstellen. Er hatte eine sehr wohlproportionierte Gestalt, einen kugelrunden Kopf, der ganz mit weißen, kurzgeschorenen Haaren bedeckt war, und kleine braune Bärenaugen. Die Zwergin machte keinen so angenehmen Eindruck wie ihr Bruder. Ihre Gestalt war schwammig, um den Mund spielte ein Zug von Dummheit und Sinnlichkeit und die Augen blickten stumpf.
Der Zwerg Nikolai Afanasjewitsch trug trotz der heißen Jahreszeit warme Tuchstiefel, schwarze Beinkleider aus haarigem Flauschstoff, eine gelbe Flanellweste und einen braunen Frack mit Metallknöpfen. Seine Wäsche war von tadelloser Sauberkeit und seine Wangen stützten sich auf eine stramm gebundene, hohe Atlashalsbinde. Die Zwergin trug ein grünes Seidenkleid mit großem Spitzenkragen.