Es sinkt die Sonn', aus ihrem Thor
Gehn tausend Sternlein jetzt hervor;
Sie wandeln ihre Bahnen stille,
Ihr Gang und Glanz es ist dein Wille.
O auf, mein Aug', zum Himmel auf!
Sieh der Gestirne hellen Lauf,
Ein Gott hält sie in Händen,
Daß sie den Lauf vollenden.
Kannst du sie zählen? löschen aus,
Wie's Abendlicht im eignen Haus? —
Nur Einer zählt sie, läßt erbleichen
Vor'm Sonnenglanz die Feuerzeichen.
D'rum Menschenherz, von Sorgen schwer,
Schau doch hinauf zum Sternenheer!
Wo Gottes Augen auf dich blicken,
Soll nimmer dich der Kummer drücken.
O Sternlein mit dem trauten Licht,
Von euch die frohe Botschaft spricht:
Im Vaterland, bei euch dort oben
Ist ewig Heil uns aufgehoben!
O Heiland, Morgenstern der Nacht!
Dein harr' ich, bis mein Tag erwacht,
Bis du mich führst zu Gottes Throne,
bis du mir reichst die Ehrenkrone!«
Wenn man eine Beschäftigung als recht nutzlos bezeichnen will, so nennt man sie eine brodlose Kunst, sagt auch wohl im Sprüchwort, man könne mit ihr keinen Hund hinter dem Ofen hervorlocken. Das muß auch dem Kalendermann oft gesagt worden sein, von Solchen, die von der Sternwissenschaft keinen Begriff hatten, und darum auch keinen Sinn für sie haben konnten. Denn er kommt in seinen Schriften allezeit darauf zurück, wie eine solche Meinung eine gar thörichte sei. »Denn was mich selig macht, sagt' er, und mir einen Vorschmack gibt künftiger Herrlichkeit, sollte das nicht auch Viele reizen zu gleicher Lust? So hab' ich denn allezeit, die Spötter nicht achtend, zu meines Gottes Himmel hinaufgeschaut und auch Andere gelehrt, hinaufzuschauen, sonderlich die Meinigen, auch dazu meine Nachbarn, Freunde und Schüler, und mit Gottes Gnade Manchen zu einem fleißigen Himmelsbeschauer und Gottesfreund gemacht. Denn die die Schrift, von Gott an sein Himmelszelt geschrieben, hatten lesen gelernt, die sind darnach um so eifriger geworden, die Gottesschrift im heiligen Bibelbuch zu erforschen, und darauf zu achten als auf ein Licht, das da scheinet im dunklen Ort, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in ihren Herzen.«
»Auch sind die Himmelsbetrachter und Kalendermacher, welche stets mit der Zeit umgehen, nicht zu verachten, denn das ganze bürgerliche Wesen hängt davon ab. Was Elend würde im gemeinen Leben entstehen, wenn man nichts wüßte von Sonne und Mond und ihrem Lauf, wenn Jahr und Tag wechselte, und wüßte Niemand wie und warum; lebte man denn nicht dahin, wie das unvernünftige Vieh? Die Kalender sind daher nützlich und nöthig im gemeinen Leben, denn sie sind solche Bücher, darinnen Alles, was nur am Himmel unter den Sternen vorgeht, ausgerechnet und zu finden ist, welches Alles keine geringe Arbeit ist, zumal was die Sonn- und Mondsfinsternisse betrifft.«