»Darum so soll der Kalender in jeglichem Haus der Hausfreund sein, also daß man gerne mit ihm redet, und zu ihm kommt, seinen Rath zu holen. Meine darum, es dürfe nichts darinnen vergessen werden, das dem Menschen Anleitung gebe, seinen Beruf und Erwählung feste zu machen. Zum Ersten, so sagt dir der Kalender: »Mensch, du bist nichtig, und die Zeit ist flüchtig, davon Salomo spricht: Ein Geschlecht vergeht, das andere kommt und es ist Alles ganz eitel.« (Prediger 1. 2. 4.) Zum Zweiten, so sagt er dir: »Brauche deine Zeit weislich, denn sie ist Gottes Zeit, nicht deine. Ob du säest oder erndtest, ob du wachest oder schlafest, ob du arbeitest oder feierst, gedenk, was dein Herr sagt: »Eure Zeit ist allezeit, und schaffet, daß ihr selig werdet mit Furcht und Zittern.«

»Siehst du den Zeichen an, denk', daß zum Ende gehet;
Faß Jesum in der Zeit, dein' Sach' alsdann wohl stehet!«

»So oft die Glocke schlägt, betrachte, ob du die vergangene Zeit wohl oder übel angelegt. Alsdann bessere dich von Stund' an in der gegenwärtigen Zeit, dieweil es noch heute heißt; denn du weißt nicht, wie lang die zukünftige Zeit noch bei dir währet, daß alsdann, wenn der Bräutigam kommt, du wachend erfunden wirst, und also mit ihm zur Hochzeit eingehest in den himmlischen Freudensaal, denn allda ist Freude und Wonne und liebliches Wesen und Leben immer und ewiglich.«

»Zum Dritten, so soll der Kalender dir deines Gottes Wundergebäu begreiflich machen, so weit es ein Mensch begreifen kann. Er soll dir nennen die Sterne mit ihrem Namen, und wie sie mit einander wandeln, auch welche Bahnen der Herr sie führt. Auch wie daraus Tag und Nacht, Sommer und Winter, Saat und Erndte entsteht; was es auf sich hat mit der Zahl der Tage und Monate, mit den ordentlichen und Schaltjahren und wie die Finsternisse kommen und zu verstehen sein; denn das Alles muß ein Christenmensch wissen und verstehen.«

»Zum Vierten, so will der Kalender wie das Frühlingsvöglein Spitzdieschaar ein Mahner sein, daß Dieß und Das zu Haus, im Garten und im Feld nicht vergessen werde; denn auch der sorglichste Landmann bisweilen einen Deuter haben muß, und ein guter Rath oft Geldes werth ist.«

»Es werden auch viel Narrentheidinge mit der Kalenderwissenschaft getrieben, und etliche Kalenderschreiber thun, als könnten sie in die Tiefe des Reichthums Gottes hineinsehen, da er doch in einem Lichte wohnt, dahin Niemand kommen kann, und unser Wissen Stückwerk bleibet. Die aber thun, als könnten sie in Gottes Werk hineinsehen und weissagen und orakeln frisch weg, und

wollen bös und gut Wetter voraussagen, ja sogar Krieg und Frieden, Gesundheit und Krankheit; ist aber Alles ganz eitel, und wird damit nur die arge Welt noch verstockter und gottvergeßner gemacht.«

»Wer nach den Bauernregeln, die auch mancher Kalendermann für ein Evangelium ausgibt, seine Wirthschaft einrichtet, der hat schon oft zu seinem Schaden müssen inne werden, daß der Herr im Regimente sitzt und den Rath der Menschen vereitelt.«

»Gott der Herr kann allein das Erdreich frucht- und unfruchtbar machen. Jedoch ist ein frucht- oder unfruchtbar Jahr zu schließen aus dem Leben und Wandel der Menschen. Denn der große Gott sagt im 5 Buch Mose, im 28. Kapitel, daß, wer in allen seinen Geboten einhergehet, und solche hält und thut, den wolle Gott segnen in allem seinem Thun, wer aber ihm, dem großen Gott, nicht gehorchet, den wolle er nicht segnen, sondern das Verderben über ihn kommen lassen. Wenn man nun den Lauf und das Leben der Menschen untersuchet und betrachtet, so kann man diesem nach bald schließen, was für ein Jahr zu gewarten.«