Demselben sag' ich Dank für seines Geistes Stärke,
Die mich hat ausgerüst zu machen dieses Werke;
O große Majestät; o Vater, Sohn und Geist,
O tiefer Weisheit Brunn', hör', wie mein Lied dich preist!«
Fußnoten:
[1] Aus der ungedruckten Schrift: »Historische und praktische Kalenderlust. Erster Theil, darinnen eine kurze Beschreibung von dem Anfang und Ursprung des römischen, nunmehr Christen-, wie auch Juden- und Türkenkalenders enthalten, zusammengetragen von eJnem Calender-LJebhaber. — Anno 1764.« Unter einem schönen Titelkupfer von des Kalendermanns eigner Hand, auf welchem man den Veitsberg und seine Umgebung sieht, steht das Sprüchlein:
»Es gibt viel Lust, vergnügt auch sehr,
Wenn man betracht' das Sternenheer.«
[2] Aus dem ungedruckten Schriften des Kalendermanns: »Tägliches Handbüchlein, darinnen ein Gebetbüchlein, ein immerwährender Kalender, die Feldmeßkunst, und dann wie man des Nachts bei hellem Himmel am Nordpol oder kleinen Bären die wahre Stunde der Nacht finden kann, welches sowohl zu Haus als auch auf der Reis' dienlich und nützlich zu gebrauchen ist. Gemacht und verfertigt von Jakob Konrad Justus, Schulmeister zum Veitsberg. Anno 1741.«
10. Die Hausfreunde.
Daß ein solcher Mann wie unser Justus, in der Gegend, wo er lebte, Aufsehen erregen mußte, das möchten wir wohl nach dem bisher Gehörten, voraussetzen, und doch war dem nicht so. Justus war nicht der Mann, viel Wesens aus sich selber zu machen; er trieb sein Tagewerk so für sich hin, und man beachtete ihn nicht sonderlich. Also geschah es von Denen, die sich vornehm in der Welt dünken; aber ein Anderes war es mit den Stillen im Lande. Wer unser deutsches Volk kennt, der weiß auch, daß in ihm Herzen schlagen, empfänglich für alles Schöne, Gute und Göttliche, daß in seinen Dörfern und kleinen Städten ein Völklein wohnt, die man nicht anders benennen darf, denn mit dem biblischen Namen »Stille im Lande.« Stille sind sie, denn sie treiben ihren Lebensberuf in der Stille hin; stille sind sie, denn im Getümmel der Märkte und der Schenken seht ihr sie nie; stille sind sie, denn ihre Seele ruht in irgend einem ernsten Gedanken aus. Sie sind die Grübler im Volke, die gleich weit entfernt von Müßiggang wie von Weltgeschäftigkeit, irgend einem Ziel ihr ganzes Herz geweiht haben, und dieses Ziel im Auge, gar Wunderbares schaffen. Ich habe solche gekannt, die nach dem Stein der Weisen suchten und die Goldmacherei trieben, zu deren Lob will ich nicht reden; denn sie jagten einem Schatten nach, und gaben den Herrn auf, um in
Satans Dienst Schätze zu erbeuten und fielen über kurz oder lang in die Grube, die sie sich selber gegraben. Aber ich habe auch solche unter ihnen gekannt, die aus sich selber heraus eine wunderbare Geisteskraft entwickelten, und diese zur Erfindung kunstreicher Handarbeiten, oder zur Auflösung schwieriger Rechnungsaufgaben, oder zur Hervorbringung von allerlei schönen Gedanken und Liedern benutzten, die dem Hörer gar nicht selten wie Edelsteine vorkommen, die nur noch des Schleifers Hand bedürfen, um in allen Lichtern und Farben zu glänzen. Am meisten aber haben mich immer die Stillen im Lande angezogen, deren Herz dem geschliffenen Edelsteine gleicht, in dem jeder Strahl von Gottes Güte und Gnade wiederspiegelt. Die haben frühe den geheimnißvollen Zug nach oben bekommen; und während nun Tausende um sie her leiden und im Leiden klagen und verzagen, leiden sie auch und sind doch allezeit froh. Sie kennen ihren Gott, wie sie sich von ihm gekannt wissen, und wie sie ihn in allen ihren Lebensführungen erkannt haben; sie lieben ihren Heiland mit einer tiefen Johannesliebe; sie sind eifrige und starke Beter, und wer ihre Erfahrungen in diesem Stücke hört, der staunt über die Größe ihres Glaubens. Habt ihr solche in eueren Gemeinden, ihr Lehrer des Volks, machet um Alles die Stillen nicht irre, lasset sie ihr Wesen treiben, auch wenn es euch manchmal sonderbar bedünket. Sie sind zarte Pflanzen, fasset sie nicht mit rauher Hand an. Habt ihr sie zu euren Freunden gemacht, und das hält nicht schwer, dann lieben sie euch fest und treu wie Brüder, und ihr habt ein gut Fundament euch erbauet, darauf ihr fortbauen könnet.
Die Zeit, von der wir reden, war noch viel reicher an diesen Stillen, wie die unsrige. Das äußere Leben