»Sagten Sie etwas?« fragte Herr Semmelhaack.

»Ja. Ich kann nicht mehr zeichnen. Ich habe Augenschmerzen.«

Zum nächsten Unterricht ging er überhaupt nicht; er entschuldigte sich mit Augenschmerzen.

Das ging nun wohl einmal, ging auch zweimal; dann aber sagte Herr Tönnings mit dem steifen Halskragen: »Ja, dann müssen Sie ein ärztliches Attest beibringen.«

Also mußte Asmus zum Vertrauensarzt der Schulbehörde.

IV. Kapitel.

Asmus befreit sich aus einem Hungerturm und studiert in einem Taubenschlag.

Von allen Qualen des Lebens hielt Asmus zwei für die unerträglichsten: Zahnschmerzen und Langeweile. Lieber als in dieser Kunstkaserne wöchentlich zwei Stunden, das heißt zwei Jahrhunderte an einen Klotz geschmiedet zu sein, lieber wollte er ein schlechter Mensch werden. Und so rieb er sich im Vorzimmer des Arztes tüchtig die Augen und kniff sie ein Dutzend Mal zusammen.

»Die Augen tränen,« sagte der Arzt, und er schrieb ein Attest, daß der Patient wegen tränender Augen sechs Wochen lang nicht zeichnen dürfe.

Asmus barg das kostbare Blatt sorgfältig wie eine Banknote in der Tasche, fühlte unterwegs mehrmals nach, ob er’s auch noch habe, und überreichte es frohen, tränenlosen Blickes Herrn Tönnings.