im einzelnen zur Darstellung brachte. Schon von weitem schlug Asmus einen andern Weg ein, er wußte auf der Welt nichts Widerwärtigeres als diese Bilder und die erklärenden Gesänge der Schausteller.

Aber dann gab es einen Mann auf dem »Spielbudenplatze«, der war am ganzen Leibe mit Musik bewaffnet. Mit dem Fuße schlug er Becken und Triangel, mit dem Ellbogen eine große Trommel, mit der rechten drehte er einen Leierkasten, mit dem Munde blies er eine Panflöte, und wenn er den Kopf schüttelte, erklangen von seinem Hute, der einer chinesischen Pagode glich, eine Menge von Glöcklein. Die Musik war gewiß scheußlich; aber die Fertigkeit des schwitzenden Mannes blieb bewundernswert. Er hatte denn auch immer ein Rudel von Jungen um sich, und darum mußte er die linke Hand frei behalten.

»Käupt, Lüd, käupt!« schrie mit furchtbarer Schnapsstimme, die dem Bellen eines heiseren Wüstenwolfes glich, ein Mann, der Datteln verkaufte. Aber es waren keine Datteln mehr, es war nur noch ein unerklärbares Mus, das zu Klumpen geballt auf der Karre lag. »Tein Penn dat Pund, Lüd!« schrie der Mann. »Ick verkäup se mit Schoden, Lüd; ick sett dor noch bi too! Blos ut Schobernack käupt mi wat af, Lüd!«

Und einmal kam Asmus an eine Bude, auf deren Vorderseite ein Schwein mit Menschenaugen abgebildet war. Das Tier hatte einen

seelenvollen Blick und schien darüber nachzusinnen, ob es ein Mensch oder ein Schwein sei. Was es in seinem Zweifel noch bestärken konnte, war der Umstand, daß es an den Hinterfüßen fünf menschliche Zehen hatte. Wohl hundertmal drehte Asmus sein Zehnpfennigstück in den Händen herum; aber dann sagte er sich, daß ein zukünftiger Lehrer seiner Bildung jedes Opfer bringen müsse; er gab es hin und trat ein. Er fand in einem Glashafen voll Spiritus ein kleines totes Ferkel, das genau wie jedes andere Ferkel aussah. Der Schausteller, ein großer Kerl in Hemdärmeln, erklärte ihm, das Ferkelauge sei ein vollkommenes Menschenauge, und die hinteren Zehen seien Menschenzehen. Asmus blickte schon lange nicht mehr auf das Ferkel im Glashafen, sondern auf den Mann in Hemdärmeln; er sah ihn mit staunenden Blicken an; denn er begriff nicht, daß ein Mensch so unverschämt sein könne.

»Das ist ja alles Schwindel!« sagte Asmus. Im nächsten Augenblick fühlte er sich unsanft vor die Bude befördert, und wenig fehlte, so wäre er die Stiege, die zum Eingang hinaufführte, hinuntergefallen. Es war nicht die erste Erfahrung dieser Art, die er im »Kampfe gegen das Unrecht« machte; aber noch viel, viel weniger war es die letzte.

Nach solchen Erlebnissen gab es einen Wirbel in seinem Kopfe. Wie konnte so etwas geschehen! Das war doch Unrecht! Und Unrecht

brauchte man sich doch nicht gefallen zu lassen! Unrecht durfte man sich gar nicht gefallen lassen ...

Wenn es sich aber traf, daß die drei sich männlich aufgelegt fühlten, so wandten sie den kindlichen Freuden des Spielbudenplatzes nach gründlicher Betrachtung mit kritisch geschürzten Lippen den Rücken und gingen noch dreiviertel Stunden weiter nach Hamburg hinein. Dort gab es nämlich eine Wirtschaft, wo man ein ganzes Seidel »echtes Kulmbacher« für fünfzehn Pfennige verzapfte und sechzehnjährige Männer mit Hochachtung behandelte. Sie saßen dort eine Stunde lang bei einem Glase und übten Kritik nach Art der Jugend, das heißt sie rezensierten die Bälle der Billardspieler, ohne von diesem Spiel etwas zu kennen. Auch das Billardspiel war ein pium desiderium Asmussens; aber ach, zu all dergleichen gehörte ein Lehrergehalt. Ja, wenn man 1200 Mark verdiente – nach einem vorzüglichen Examen bekam man sogar 1300 Mark das Jahr – dann ließen sich alle Sehnsüchte kühlen.

Wenn sie mehr Geld als gewöhnlich hatten, so gingen sie in ein Vorstadttheater, wo die Vorstellung 7 Stunden dauerte. Da gab es Musik, Couplets, Liedervorträge, Männer, die abgeschossene Kanonenkugeln auffingen, wunderschöne Trapezkünstlerinnen in Trikots und dazu noch ganze Dramen in fünf oder mehr Akten, z. B. Anna Field, die Frau in Weiß oder ein Opfer