Die Melodie schlang sich wie ein Gewinde von Orangenblüten durch alle seine Gedanken.
Je vais donc quitter pour jamais Mon doux pays, ma douce amie! Loin d’eux je vais trainer ma vie Dans les pleurs et dans les regrets.
Das Lied paßte ja eigentlich gar nicht so recht zu diesem Tage: es war ein französisches Lied, und hier handelte es sich um eine deutsche Heimat; auch der Sinn der Worte paßte nur halb; aber die Töne, die Töne sangen ein wunderbares Heimweh, und sie folgten ihm bis in den Traum und bis in manchen folgenden Tag.
Viel Zeit war indessen für wehmütige Stimmungen und Gedankenspiele nicht übrig; das Leben schickte sich an, unserm Seminaristen mit realen Forderungen hart auf den Leib zu rücken. Mit den beiden Söhnen hatten die alten Semper zwar zwei beträchtliche Esser, zugleich aber einen für ihren Haushalt noch beträchtlicheren Geldzuschuß verloren. Vorübergehende Arbeitslosigkeit
kam hinzu, und die fetten Jahre der dreihundertundsechzig Mark pro anno waren vorbei; im ersten Seminarjahr gab es nur einhundertundzwanzig Mark Stipendien, im zweiten zweihundert, im dritten zweihundertundvierzig. Aber wie sollten nun die Semper ihren Studenten durch drei endlose Jahre hindurchschleppen?!
Frau Rebekka verzagte an diesem Unternehmen. Durch den Spalt einer angelehnten Tür belauschte Asmus eines Tages ein Gespräch seiner Eltern.
»Dann muß er eben den Lehrer an den Nagel hängen und Zigarrenmacher werden,« sagte die Mutter.
»Ach, Unsinn!« klang die Stimme Ludwig Sempers.
»Ja, Unsinn! Weißt du, woher das Geld kommen soll? Ich weiß es nicht. Wir riechen nach Geld wie die Gänse nach Franzbranntwein.«
»Na ja, das findet sich,« sagte Ludwig.