„Um Gottes willen, Sie glauben das doch nicht etwa?“ rief Eva erschreckt. „Und ich hätte dann so – so – von Stefenson gesprochen ...“

„Aber nein! Stefenson ist in Milwaukee. Hier ist ein Telegramm, das er heute früh dort an mich aufgab.“

„Gott sei Dank!“

„Ich wollte nur unsere Idee des Unerkanntseins in unserem Ferienheim verteidigen. Sehen Sie, wenn Mister Brown der maskierte Stefenson gewesen wäre, wäre die Partie unehrlich gewesen. Wir hätten ihn nicht erkannt, [pg 179]wohl aber er uns. In unserem Heim wird das ganz anders sein. Keiner wird den andern kennen. Da wird keine Befangenheit, keine Ängstlichkeit, sondern ein Mut zur Offenherzigkeit sein, der unerhört ist in der Welt. Die Menschen werden Wahrheiten hören, die sie niemals vernähmen, wenn sie ihren Namen und Stand sagten, sie werden aber auch ihre Meinung sagen dürfen in einer Weise, die niemals möglich wäre, wenn sie ihre wirkliche Persönlichkeit dafür einsetzen müßten.“

„Ach ja“, seufzte Eva Bunkert, „die gröbsten und rücksichtslosesten Rezensenten sind die anonymen oder pseudonymen.“

„Der Friede dieses Ortes wird alle Schärfe mildern, wird aus der Rücksichtslosigkeit wohltuende Offenheit, aus ätzender Grobheit klare Wahrheit werden lassen.“

„Sie meinen es gut mit den Menschen“, sagte gerührt die kleine Anneliese und sah mich mit ihren großen, braunen Augen dankbar an.

Ich aber – ich weiß nicht warum – schaute nach der schönen Blonden hin. Ich glaube, ich erwartete eine neue Bemerkung von ihr. Aber sie schwieg.

Die Mädchen blieben im Forellenhofe.

Ich habe vor Monatsfrist im Rathaus Quartier bezogen. Lange schaute ich auf den Lindenplatz hinab. Der Mondschein spielte um den alten Baum. Ich dachte an vielerlei, viel an Eva Bunkert, aber noch mehr grübelte ich über der Frage: War er’s? War er’s nicht?