Am übernächsten Morgen erhielt ich zwei Briefe, die ganz dieselbe Handschrift aufwiesen. Der eine Brief war [pg 180]von Stefenson und kam aus Milwaukee; er enthielt allerhand geschäftliche Weisungen sowie die Mitteilung, daß er, Stefenson, wahrscheinlich erst im Sommer nach Europa zurückkehren könne. Der andere Brief war von Mister Brown, trug den Poststempel Hamburg und meldete, daß der Journalist im Begriff stehe, nach Amerika zurückzukehren, sich noch einmal für die freundliche Aufnahme bedanke und inzwischen unseren Prospekt mit Interesse gelesen habe.

Ich verglich die beiden Briefe wieder und wieder. Die Schriftzeichen glichen sich außerordentlich. Hätte man je einen der großen geschwungenen Buchstaben aus den Briefen ausgeschnitten, man hätte eine Kongruenz feststellen können.

Da sagte ich, der Erfinder der Idee von den Ferien vom Ich, zu mir selbst:

„Ach, es ist doch gut, wenn man weiß, mit wem man es zu tun hat!“


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Die ersten Kurgäste

Am 1. Mai ist unsere Heilanstalt eröffnet worden. Die Feier war schlicht. Lehrer Herder hatte es sich nicht nehmen lassen, wieder ein Melodram zu dichten, zu komponieren und zu inszenieren. Das Publikum bestand aus Waltersburgern, unseren Bauern, deren Dienstleuten, unserem Personal und fünfzehn Kurgästen. Von diesen fünfzehn Kurgästen genießen zehn Freikur, und von diesen zehn sind sieben Schauspieler ohne Sommerengagement. Stefenson sandte ein längeres Glückwunschtelegramm aus St. Louis.

Fünfzehn Kurgäste! Das war ein magerer Anfang nach der starken Reklame, die wir gemacht hatten. Ich telegraphierte das klägliche Ergebnis nach Amerika und erhielt von Stefenson die Antwort: „Hatte ich mir gedacht!“

Wir beschlossen, die Leute nicht einzeln über die Höfe zu verstreuen, sondern einen Teil in den Forellenhof, einen anderen in die Waldschölzerei zu geben. Die Schauspieler aber schwärmten nicht für Feld- und Waldarbeit; sie wünschten mehr dekorative Posten. Fünf von den sieben wollten Nachtwächter sein, einer bot sich als Hilfs[pg 182]briefträger an, wobei seine Tätigkeit gleich Null gewesen wäre, und einer sagte mit mildem Augenaufschlag, er könne sich nur als Krankenpfleger glücklich fühlen. Wir hatten aber keine Kranken.