Da stellte der Bauer Emil Barthel vom Forellenhof neben dem Großknecht, den er bereits hatte, dem „langen Ignaz“, noch einen zweiten Knecht ein und sagte zu mir: „Ich hab es Ihn’n gesagt, Herr Doktor, de Stadtleute sein olle faule Luder. Mit den is nischt anzufangen.“

„Geduld, Barthel, Geduld!“

Der Anfang war wirklich kläglich. Zwar sang Egin Harold, der als Nachtwächter bestellt worden (und der in seinem Privatberuf Opernsänger war), das

„Hört, ihr Herr’n, und laßt euch sagen,

Die Uhr hat eben zehn geschlagen!“

mit tremolierender Empfindsamkeit; aber um Mitternacht sang er noch viel empfindsamer vor dem Hofe des Sonnenbauern, der eine hübsche blonde Magd hatte: „Gute Nacht, du mein herziges Kindl“, um 1 Uhr droben am Hange: „Ihr lichten Sterne habt gebracht so manchem Herzen schon hienieden ...“; um 2 Uhr: „Steh ich in finstrer Mitternacht“, und von 3 Uhr an: „Morgenlicht leuchtend im rosigen Schein ...“

Die benachbarten Hofhunde wurden ob dieser Gesänge so tief ergriffen, daß sie alle mitsangen, und alsbald lag auf dem Rathaus eine Beschwerde über den Nacht[pg 183]wächter wegen nächtlicher Ruhestörung. Als nun Egin Harold von dem unmusikalischen Sonnenhofbauern noch gar angedroht bekam, er werde den Hofhund loslassen, wenn der Wächter sein Gesinge vor dem Kammerfenster der Magd nicht einstelle, quittierte der beleidigte Künstler seinen Posten und übergab die Abzeichen seiner Würde an seinen Berufsgenossen, den Bassisten Hagen Korrundt, wobei er mit einiger Abänderung des Lohengrintextes sang:

„Den Spieß, dies Horn, den Pelz will ich dir geben.

Das Horn soll in Gefahr dir Hilfe schenken,

Der Spieß im wilden Kampf dir Mut verleiht,