„Ja, sehen Sie, Eva, die Ausgelassenheit ist nur ein ansteigender Talweg zu dem Berge der Gesundheit und des Glückes, die Heiterkeit ist der letzte, klare Gipfel. Zu [pg 208]ihm gelangen wir spät, erst, wenn wir lange und mühevoll gestiegen sind, erst, wenn es still und einsam um uns geworden ist, erst, wenn unsere Augen weithin sehen können, über alle Tiefen, die unter uns, und alle Höhen, die über uns waren.“

„Sind Sie selbst schon auf der Höhe?“

„Ich gewiß nicht. Ich bin nichts als ein Wegzeiger, der im Tale steht, die Hand ausstreckt und sagt: Da geht es hinauf!“

„Vielleicht ist’s gut so“, meinte Eva nachdenklich; „wenn Sie selbst schon oben ständen, könnten Sie nichts anderes als winken. Und da würde sich mancher sagen: was will der winkende Mann auf dem steilen Gipfel; er ist wohl in Not und fürchtet sich allein dort oben?“

„Ich finde, Fräulein Eva, daß wir uns gut verstehn!“

Ich sah ihr heiß in die Augen. Ihr Blick begegnete mir freundlich, aber kühl. Dann senkte sie das Haupt und sah vor sich hin. Der lange Ignaz schlurfte vorbei. Er brummte einen Gruß und rückte kaum am Hut.

„Ein unfreundlicher Mensch“, sagte ich, nur um etwas zu reden. „Wenn er nur nicht mal Unheil anrichtet!“

„Der Bauer braucht ihn. Aber er ist mir auch manchmal unheimlich.“

„Holdrioho hoho!“ jodelte es nun dicht vor dem Tore. Ein starker Kerl erschien, der brachte eine dicke Weibsperson auf einem Schiebkarren gefahren.

„Das ist Methusalem“, belehrte mich Eva; „er bringt die dicke Cenzi vom Felde heim.“