Im Forellenhof war schwerste Bestürzung. Die dicke Susanne lag kurz und krampfhaft weinend in einem Korbstuhl; die Frauen bemühten sich um sie. Barthel war nicht zu Hause. Auf dem Tisch standen noch die Rosen, an den Wänden hingen die Asternkränze.

„Welch ein entsetzlicher Abschluß!“ klagte Eva.

Ich betrachtete die Fingerabdrücke an der Wand. Sie waren deutlich. Der lange Ignaz hatte, ehe er sich an die Wand lehnte, das Kohlenfeuer besorgt. Der Kommissar trat zu mir und dem Prinzen und sagte:

„Es tut mir leid; aber ich muß zurück zur Direktion und von den Behörden telephonisch auch die Verhaftung des der Begünstigung dringend verdächtigen und verschwundenen Bauern Barthel fordern.“

Der Prinz kniff den Mund zusammen. Dann sagte er:

„Tun Sie das! Wenn ich mich auch hier getäuscht habe, glaube ich an nichts mehr auf der Welt. Dann soll alles zum Deibel gehen!“

Er schaute mich mit halbem Blick an. Da sagte ich:

„Ich werde morgen früh mit Einverständnis unseres bevollmächtigten Direktors den von Ew. Hoheit unterzeichneten, bis Mai verpflichtenden Revers vernichten, und Ew. Hoheit steht ohne alle Weiterungen frei, die Anstalt zu verlassen.“

Er antwortete nicht. Ich dachte daran, daß er durch seinen Kniefall vor der schönen Hanne, durch eine ganz direktionslose Tat, den Anlaß zu all diesen Scherereien [pg 295]geschaffen hatte. Und er dachte wahrscheinlich selbst daran; denn er sagte:

„Ich weiß, daß ich noch lange nicht geheilt bin; aber ich kann wohl überhaupt keine Heilung finden. Weil ich keine Treue finde!“