Der Kommissar reiste ab ...

Mich ging das alles kaum etwas an. Ich dachte nur an Stefenson. Er war zunächst nach seiner Zelle zurückgegangen und hatte uns durch einen Gerichtsdiener sagen lassen, wir möchten im „Hotel Bristol“ auf ihn warten. Nach einer reichlichen Stunde kam er. In mir war inzwischen das Gefühlsbarometer hinaufgeschnellt und heruntergestürzt, vom Glutwetter der Bewunderung bis zum [pg 303]Regensturm der Wut – hin und her, her und hin. Ich konnte diesem unberechenbaren Manne gegenüber niemals zu ruhiger Beurteilung kommen. Schließlich beschloß ich, ihm offene Feindschaft anzusagen.

Als er kam und sein Glas Sherry bestellt hatte, sagte er so ruhig, als ob er eine eben abgebrochene Unterhaltung wieder aufnehme:

„Dieser Redakteur von der ‚Neustädter Umschau‘ ist ein schwerfälliger Kopf. Nicht mal richtig stenographisch aufnehmen kann der Pinsel. In meinem Artikel von gestern abend waren mehrere Dummheiten.“

„Ah – Sie haben den Artikel über Ihre Verhaftung in der Umschau selbst geschrieben?“

„Na, selbstverständlich. Der Trunkenbold kann’s doch nicht. Als ich so unerwartet verhaftet werden sollte, bin ich zunächst nach der Redaktion des feindlichen Blattes gegangen, hab dort einen Artikel diktiert (und natürlich auch bezahlt) und bin dann nach dem Bahnhof hinaus und hab mich da festnehmen lassen. Der Artikel über die Verhaftung war eher fertig als die Verhaftung selbst. Das ist man doch in solchem Fall seinem Unternehmen schuldig.“

Das Barometer stieg wieder. Aber es lag noch eine schwere Depression über mir, und ich sagte:

„Ich glaube nicht gerade begriffsstutzig zu sein; aber Ihre Art, sich zu geben und zu handeln, ist so überaus merkwürdig, daß ich nicht mehr mitkann, sondern Ihnen aufs ernsthafteste erklären muß ...“

„Ein Extrablatt!“

Ein Bote stürmte ins Zimmer.