Wir eilten auf einem Nebenpfade gen Waltersburg hin. Als der Weg nach der Genovevenklause abbog, ge[pg 325]bot ich der Frau, nach Hause zu gehen und zu warten, bis ich ihr Nachricht brächte. Sie schlich davon. Aber als ich den Berg hinabeilte, merkte ich, daß mir von ferne ein Schatten folgte.

Das Haus der Mutter war hell erleuchtet. Die Haustür stand offen. Ich eilte nach dem ersten Stock, nach dem Zimmer der Mutter, und trat ein, ohne anzuklopfen. Mitten in der Stube stand Joachim; er war allein. In offener Feindseligkeit blickten wir uns an.

„Wo ist das Kind? Wo ist Luise?“

„Nicht hier.“

„Wo ist die Mutter?“

„Auch nicht hier.“

„Willst du mir sagen, wo beide sind?“

„Nein! Aber ich will dir sagen, daß ich das Mädchen der Obhut des Frauenzimmers, dem du es übergeben, entrissen und in eigene Erziehung genommen habe. Morgen früh geht die Reise los. Ich nehme das Kind mit. Das ist mein Recht. Das Kind gehört mir.“

Ich konnte vor Zorn kaum sprechen.

„Ah – und es ist wohl auch dein Recht, in eines unserer Häuser einzubrechen und ein wehrloses Weib seiner Freiheit zu berauben?“