„Es ist alles nicht wahr gewesen – ich hab das Furchtbare nur geträumt – Luise ist wirklich da ...!“


Am zehnten Tage wußten wir, daß Katharina am Leben bleiben würde. Freilich würde sie nie mehr ganz gesunden. Das Herz war schon vor der Erkrankung nicht in Ordnung gewesen und hatte nun schwer gelitten. Es würde ein sehr stilles Leben sein, was Katharina fortan führen müßte.

Am hellen Mittag trat mir auf dem „Stillen Weg“ der Bruder entgegen. Er gesellte sich zu mir, ohne daß wir uns die Hände reichten.

„Lebt sie noch? Ist die Krise vorbei?“ fragte er mit offener Furcht in den Augen.

„Ja, es ist überwunden!“

Da atmete er auf.

„Ich habe schwere Tage und Nächte hinter mir“, sagte er etwas stockend; „deine Worte lagen mir immer in den Ohren, und du hast es mir auch durch deine Botschaften nicht leicht gemacht. Aber ich hatte es wohl verdient.“

Ich antwortete nicht. Er fuhr fort:

„Ich werde nun abreisen. Ich bitte dich, Käthe zu einer Zeit, wo du es für angemessen halten wirst, einen Brief von mir zu übergeben. Er ist offen; du sollst ihn vorher lesen. Der Brief enthält nichts als einen kurzen Abschied, und daß wir jetzt, durch Land und Meer für immer getrennt, ohne Feindschaft aneinander denken wollen.“