Was hatte es für Zweck, sich mit diesem Manne zu zanken? Nun mußte eben durchgehalten werden ...

Die Mutter saß mit Joachim, mir und Stefenson in einer Seitenloge, nahe an der Bühne. Ich sah und hörte [pg 134]kaum etwas von dem Melodram, von dem Gewimmel von Zwergen, Kobolden, Nußknackern, Pfefferkuchenmännlein, Tiergestalten, Besenbinderbuben und all den Mannschaften, die zum üblichen Weihnachtsstück gehören; ich wartete mit Herzklopfen auf den Weihnachtsengel, als dessen Darstellerin Miß Stefenson aus Chikago auf dem riesigen roten Theaterzettel angegeben war. Nun war nur noch das letzte „Bild“ übrig, nun mußte Luise auftreten und damit die Entscheidung kommen.

Der Vorhang hob sich. – Eine Bethlehemsgrotte. Die heilige Mutter mit ihrem Kind, Joseph, die Hirten, die drei Könige; rings in Anbetung versunken knieten Zwerge, Besenbinder, Pfefferkuchenmännlein. Es war alles in halber Nacht, nur von einem mattroten Schein erhellt.

Da erschien plötzlich ein Licht über der Grotte, ein wunderschönes Engelein trat in den hellen Schein und sang mit zittrigem Silberstimmchen:

„Vom Himmel hoch, da komm ich her

Und bring euch allen frohe Mär:

Geboren ist in Davids Stadt

Er, der des Lebens Fülle hat.“

Die Mutter saß wie starr. Einmal tastete ihre Hand nach der meinen und drückte sie in kurzem, heftigem Erschrecken. Dann war sie regungslos. Die ganze Gemeinde saß in Andacht.

Joachim war ganz gleichmütig. Als der Vorhang gefallen war, sagte er: