Nun, diese Aufgabe paßte mir, zumal ich Stefenson bereit fand, unser Glück zunächst in Schlesien zu probieren. Ich bestimmte die Ausrüstung. Schaftstiefel, englische Lederhosen, eine Joppe aus grauem Tuch mit Hirschhornknöpfen und grüner Tascheneinfassung, ein Vorhemd ohne Schlips, ein seidenes Tüchlein um den Hals, eine Lodenmütze, das war meine Ausrüstung. Solcher Kleidung bringen die Bauern Zutrauen entgegen, da vermuten sie keine verkniffenen Städter, keine „Juden oder Winkeladvokaten“, die sie übers Ohr hauen wollen.

Es wäre alles gut gewesen, wenn nicht Stefenson am nächsten Morgen, als die Reise losgehen sollte, die kleine Luise mitgebracht hätte.

Ich schlug Skandal. Was er sich einbilde, ein so kleines Kind auf so lange Reise mitzuschleppen? Ob er denn nicht bedächte, daß uns das Mädel nur stören und aufhalten würde? Es war alles umsonst; Luise fuhr mit.

„Pappa hat mehr zu sagen als der Onkel“, sagte die Kleine mit einem Anflug von schnippischem Ton.

„Sie macht sich heraus; sie fängt an, Courage zu kriegen“, sagte der „Pappa“ anerkennend.


Auf einer größeren Station stiegen wir während des Zugaufenthaltes aus, um dem Kinde Orangen zu kaufen. Noch als wir am Stande des Obsthändlers [pg 138]waren, näherte sich uns eiligen Schrittes eine Frau. Sie starrte erst mich an, dann das Kind, faßte es blitzschnell an der Hand, riß es an sich und küßte es wie rasend.

Das Mädel schrie erschrocken auf, Stefenson sagte betroffen: „Aber Madame, was tun Sie?“, und ich wand der Frau das Kind aus den Armen. Neugierige Leute eilten herbei; es gab gewaltiges Aufsehen.

„Zurück in den Wagen!“ rief ich Stefenson zu, der mir verwirrt folgte. Bald saßen wir im Abteil, und die Tür flog zu.

Draußen schrie eine gellende Stimme: