„Es ist mein Kind – es ist mein Kind – laßt mich zu meinem Kinde! Luise! Luise!“
Die Leute hielten die Frau, die sich verzweifelt wehrte, an den Armen fest; der aufsichtführende Beamte eilte an unser Abteil und begehrte Auskunft. Ich stieg aus, stellte mich vor und sprach einige aufklärende Sätze. Zuletzt sagte ich:
„Herr Vorsteher, fragen Sie die Frau, ob sie gesetzlichen Anspruch auf dieses Kind habe!“
Er entfernte sich, ging zu der Frau, wies alle Leute beiseite und sprach leise auf sie ein. Sie stand tiefgesenkten Hauptes mit herabhängenden Armen, heftig schluchzend vor ihm. Nun tat er wohl die Frage: „Haben Sie einen gesetzlichen Anspruch auf jenes Mädchen?“
Da schüttelte sie den Kopf. Ein Blick voll Wehes traf noch unser Wagenfenster, dann verließ die Frau den Bahnhof.
„Wer war die böse Frau?“ fragte Luise verängstigt.
„Eine Verrückte“, sagte Stefenson rauh.
„Wird sie nie wieder zu mir kommen?“
„Nein, nie wieder!“
Wie lange doch der Aufenthalt noch währte! Die Leute spazierten draußen und gafften neugierig nach unserem Fenster. Ich zog den Vorhang vor. Endlich setzte sich der Zug langsam wieder in Bewegung. Aber kaum hatte er den Bahnhof verlassen und fuhr noch nicht mit voller Geschwindigkeit, da gab es einen gewaltigen Ruck und Stoß, und der Zug stand.