Im Dorfgasthause wurde uns ein schlichtes, aber schmackhaftes Mittagsmahl bereitet, und nach einiger Zeit brachen wir auf zu einem Besuch bei Emil Barthel.

„Nee, komm’n Se wirklich?“ fragte er; „ich hatte gedacht, ’s wär alles bloß Ulk.“

Die Stube war niedrig, aber sauber, und über den Tisch war ein großes buntes Tuch gebreitet. Emil Barthel bewirtete uns. Er bot uns in einer Papiertüte Zigarren an, von denen ich vermutete, daß sie aus dem Dorf[pg 151]kramladen zu fünf Pfennig das Stück gekauft seien. Mit Schadenfreude sah ich zu, wie Stefenson, der von früh bis in die Nacht eine Havanna nach der andern schmauchte, sich mit Todesverachtung an dieses Rauchzeug heranmachte.

„Nun, mein lieber Barthel, möchte ich zunächst etwas feststellen: es handelt sich in unserer Angelegenheit weder um einen Spaß, zu dem wir uns wahrhaftig nicht so viel Zeit nehmen würden, noch um einen Betrug.“

„Also ist es tatsächlich wahr?“ sagte Barthel und trommelte auf den Tisch. Sein Gesicht wurde ernst, und er holte aus zu einer Rede:

„Sehn Sie, meine Herr’n, wenn Se nu wirklich so was Komisches vorhaben – man kann ja nie wissen, was den Stadtleuten einfällt – nu, so muß ich Ihn’n ehrlich sagen: das Ding gefällt mir nich. Denn warum! Die Stadtleute werd’n nich kommen. Die sind viel zu faul. Wenn se ins Bad machen woll’n – woll’n se sich amüsieren. Da woll’n se doch nich Kühe melken und ackern. Meine Herr’n, Se haben keene Ahnung, was das für schwere Arbeit is. Vor solcher Arbeit haben sich die Stadtleute immer gedrückt. Aber gesetzt den Fall, se kämen doch – da wär’s noch viel schlechter. Denn warum? Die Stadtleute verstehen nischt. Denken Se, daß die mir auf dem Hofe was helfen könnten? Die gragelten mir doch bloß im Wege ’rum. Die quatschten und quasselten doch bloß.“

„Die fielen einem ja in die Puttermilch!“ lachte Frau Susanne.

„Die täten ja alles bloß mit Glacéhandschuh’n machen woll’n“, ergänzte der Mann.

„Donner!“ schrie da Stefenson jähzornig und hieb die Faust auf den Tisch, daß aus seiner Fünfpfennigdampfrolle ein Feuerwerk stiebte, „nun ist’s aber genug. Wer nicht will, will nicht! Haben Sie das Risiko zu tragen? Müssen Sie sich unsere Köpfe zerbrechen, ob unsere Gründung eine Pleite ist oder nicht? Haben Sie nicht bloß zu gewinnen? Das allerbeste ist ...“

„Das allerbeste is, Se gehn wieder!“ sagte Barthel seelenruhig. Und nun wären wirklich all unsere Beziehungen zu dem Hause Barthel abgebrochen worden, wenn es nicht im selben Augenblick an die Tür geklopft hätte und zwei Damen über die Schwelle getreten wären. Eine kleine zartgliedrige Braune und eine große Blondine, beide mit feinen Gesichtern, so gut man das in dem Dämmerlichte der niederen Bauernstube feststellen konnte. Die Kleinere sagte, daß sie von der Erkrankung des Barthelschen Kindes gehört habe und mal nachfragen wolle; sie sehe aber, daß gerade Besuch da sei, und wolle nicht stören.