„Ich bitte Sie, sehen Sie mal nach dem Kinde“, bat mich Anneliese, „es sind bereits drei Diphtheriefälle im Dorfe vorgekommen, und einen Arzt haben wir hier nicht.“
So ging ich mit ihr und den Barthelleuten nach einem Oberstüblein, wo das Kind in hohem Fieber lag.
Diphtherie! Keine Zeit mehr zu verlieren. Ich gab ein paar vorläufige Verhaltungsmaßregeln und schrieb einige Worte an einen Kollegen im nächsten Orte, da ich die Behandlung ja nicht selbst übernehmen konnte. Ein Radler fuhr mit der Botschaft los. Das Mädel ist dann auch gerettet worden, und Barthel hat nachträglich drei Mark Strafe zahlen müssen, weil er dem Schäfer, der die Heringslauge und das Speckpflaster verordnete, einige Ohrfeigen als Honorar ausgezahlt hat.
Als wir damals nach der Barthelschen Wohnstube zurückkehrten, fanden wir Stefenson und die schöne Eva in angeregtester Unterhaltung. Für das erkrankte Kind hatte sie einige bedauernde Worte, dann lachte sie schon wieder.
Eva hatte mit Stefenson verabredet, daß sie mit Anneliese gleich nach der Eröffnung unserer Kuranstalt im Mai als Feriengast bei uns einziehen wollte. Annelieses vertretungsweise Schulmeisterei, sagte sie, gehe bloß bis ersten April, und daß sie selbst kein Engagement an einer Oper kriege, sei vorläufig sicher, also könnten sie beide kommen.
„Und Ihr Vater?“ fragte ich.
„Ach, mein Vater darf natürlich davon nichts wissen, der ist ja wütend auf Sie. Dem schicke ich durch Mittelspersonen Briefe von irgendwoher, daß er meint, ich sei wer weiß wo. Und bei Ihnen werde ich die Grünzeugfrau Emilie Knautschke sein.“
Ich beschloß, dieses Mädchen, das in die ernste Männerfreundschaft zwischen Stefenson und mir einen [pg 159]so lauten Lachton mischte und unsere große Idee zur Hanswurstiade herabstimmte, unschädlich zu machen.
Wie ich das tun sollte, wußte ich nicht.
Aber ich hatte Glück. Die Tür öffnete sich, und ein dünnes Stimmchen zirpte herein: