„Oh – ich als anständiger Journalist kümmere mich um das, was Stefenson für das Land und die Welt bedeutet, nicht um seine Privatverhältnisse. Ich habe nie gehört, daß Stefenson verheiratet sei. Es ist mir auch ganz gleichgültig.“
„Der Herr Doktor hat es uns gesagt“, erwiderte das Mädchen.
Da grunzte Mister Brown so tief und absonderlich, daß ich erschrocken aufschaute und ihn ansah. Und ich blickte – in Stefensons Augen. So klar, in so deutlichem Zorn blitzten diese Augen mich an, wie ich sie von hundert Gelegenheiten her kannte, wenn dem jähzornigen Manne die Galle überlief, was oft genug geschah.
Ein wüster Verdacht erwachte in mir. Dieser Mister Brown war gar kein amerikanischer Journalist, es war Stefenson selbst, der uns in einer vorzüglichen Maske getäuscht hatte. Noch einmal blickte ich ihn an; ich sah wieder in ein fremdes Gesicht. Aber ich wurde den Verdacht nicht mehr los. Jedenfalls, alter Freund, so dachte ich, bist du es wirklich, so entlarve ich dich; bilde dir nicht [pg 172]ein, mit einem bißchen Detektivschlauheit deutsche Gimpel zu fangen.
Ich fing an, auf Stefenson zu schimpfen.
„Der Mann mag seine Vorzüge haben“, sagte ich, „aber wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten. So ist Stefenson – ich sage das ruhig, obwohl er mein Freund ist – ungeheuer eitel!“
„Das ist kein Schade“, fiel Eva ein; „viele große Männer sind eitel: viele Staatsmänner, viele Geistliche, alle Dichter – selbst solche, denen man es gar nicht zutraute, wie Kriegsleute, Flieger, Polizisten, sind eitel. Was heißt überhaupt eitel sein? Wer umzirkelt den Begriff? Auf sich halten, auch in kleinen Äußerlichkeiten nicht verpowern, ist eine gesunde Eitelkeit. Eine andere kann Mister Stefenson gar nicht haben.“
Da lachte Mister Brown.
„Oh!“ sagte er, „was das anlangt, so ist Stefenson so eitel, daß er, wenn er sich im Rasierspiegel sieht, erst immer seinem schönen Bild eine kleine Verneigung macht, ehe er sich einseift.“
„Ich denke, Sie kümmern sich nicht um Herrn Stefensons Privatleben“, rief Eva verärgert.