„Gewiß nicht“, sagte der Journalist, „aber manches fliegt einem halt so zu. Wenn es Spaß macht: ich kenne noch ganz andere Schwächen Ihres Geschäftsfreundes.“

„Danke!“ wehrte Eva ab, „es macht gar keinen Spaß!“

Ich dankte auch. Wenn dieser Mann wirklich Stefenson war, so war es das Dümmste, auf Stefenson zu [pg 173]schimpfen; denn er würde dann noch weit heftiger auf sich selbst schimpfen. Das mußte ich doch von seinen Artikeln her wissen. Auf solche Weise konnte ich dem alten Fuchs den Bart sicher nicht scheren.

Da kam mir eine Bemerkung von Anneliese zu Hilfe.

„Damals hatte doch Herr Stefenson seine Tochter mit sich. Hieß sie nicht Luise?“

Ich jubelte innerlich, und die Schlechtigkeit, einem Menschen aus einer seiner edlen Eigenschaften heraus eine Falle zu stellen, kam mir gar nicht zum Bewußtsein. Ja, ich beging eine neue Schlechtigkeit, ich schwindelte. So stark war das Verlangen, diesen Journalisten, wenn er wirklich Stefenson war, als Stefenson zu entlarven.

„Allerdings“, entgegnete ich meiner Nachbarin, „Stefensons Tochter heißt Luise. Das Kind hängt sehr am Vater und er an ihr. Er wollte sie durchaus mit auf die Reise nehmen, aber das gaben wir anderen nicht zu. Und es war auch sehr gut; denn das Kind ist nicht wohl.“

„Wieso nicht wohl?“ fragte Mister Brown, und das in einer solch erschreckten Weise, daß ich jetzt meiner Sache völlig sicher war.

„Ah, so – so ...“, entgegnete ich gleichmütig, „bei Kindern findet sich leicht mal etwas; das ist nicht so tragisch zu nehmen.“

„Ich finde“, sagte Mister Brown scharf, „wenn ein Mann, wie Stefenson, ein einziges Kind hat, ist es Pflicht, ihm sofort telegraphisch Mitteilung zu machen, wenn dieses Kind ernstlich erkrankt.“