Du brauchst Dich nicht um sie zu sorgen. Prinzessin Chitra hat starke Wächter an den Grenzpässen aufgestellt, ehe sie ihre Pilgerfahrt begann.

Arjuna

Nur für kurze Zeit laß mich das Kriegshandwerk eines Kshatriya üben. Mit neuem Ruhm will ich diesen müßigen Arm bedecken, damit er Deinem Haupt ein würdigeres Kissen sei.

Chitra

Doch, wenn ich mich weigere Dich gehen zu lassen, wenn meine Arme Dich umwunden halten? Würdest Du Dich roh von mir losreißen und mich verlassen? So geh! Aber wisse, daß die Liane — einmal entzweigebrochen — nie wieder zu einem Ganzen wird. Geh, wenn Dein Durst gestillt ist. Doch wenn nicht, denke daran, wie unbeständig die Göttin der Lust ist und daß sie nicht wartet auf den Menschen. Bleib noch eine Weile, Herr! Sage mir die unruhigen Gedanken, die Dich quälen. Wer nahm heute Deine Seele gefangen? War es Chitra?

Arjuna

Ja, es ist Chitra. Mich nimmt wunder, um welches Gelübdes willen sie auf die Pilgerfahrt gegangen ist. Was mangelt ihr?

Chitra

Was ihr mangelt? Ja, hat sie denn je etwas besessen, die Unglückliche? Es sind ja ihre eigensten Fähigkeiten, die sie mit Gefängnismauern umschließen und ihr Frauenherz in einer kahlen Zelle gefangen halten. Verdunkelt ist diese Frau und unerfüllt. Ihre Weibesliebe muß sich mit einem Lumpenkleide bescheiden, denn Schönheit blieb ihr versagt. Sie gleicht dem Geist eines freudlosen Morgens. Sie sitzt auf steinigem Berggipfel und dunkle Wolken haben ihr Licht ausgelöscht. Frag mich nicht nach ihrem Leben. Seine Geschichte klingt dem Ohr des Mannes nicht lieblich.