Dem Odysseus, der sich nach Heimkehr sehnt, rät Nausikaa:
„Schnell durchwandle des Königes Saal, auf daß du der Mutter
Thronsitz erreichest; sie sitzt am Herde im Glanze des Feuers
Neben dem Throne des Vaters; – du fasse die Kniee der Mutter;
Denn wofern nur jene dir hold im Herzen gesinnt ist,
Hoffnung blüht dir alsdann, die Freunde und Heimat zu schauen.“
Hier spricht sich die altgriechische Sitte, die Frau des Hauses hoch zu ehren, aus, eine Sitte, welche sich in Sparta am längsten erhalten hat, während zuerst in Ionien der orientalische Brauch Eingang fand, die Frau in ein besonderes Gemach (γυναικωνῖτις) zu sperren, wo sie als erste Sklavin die Aufsicht über Spinnen und Weben führt. Insbesondere aber wurde das Familienleben dadurch geschädigt, daß der Mann in Athen fast den ganzen Tag außerhalb des Hauses verbrachte, während die Frau, den Interessen des Mannes gänzlich entzogen, auch an Bildung weit hinter demselben zurückblieb. Mit dem Niedergang des politischen Lebens in hellenistischer Zeit erstarkte das häusliche Leben von neuem. Das weibliche Geschlecht gewinnt höhere Achtung; Plato verlangt sorgfältigere Er[pg 155]ziehung und tiefere Bildung für die Mädchen, und in vielen Städten werden Mädchenschulen eingerichtet.
Reicher Kindersegen galt als höchstes Glück und kräftigste Stütze des Alters (vgl. Il. 17, 301):
„Also denn sank er dahin, und nimmer lohnt er den Eltern
Sorgliche Pflege der Kindheit.“