»Er selber brachte dich her? ... Weshalb sprichst du nur immer von Lieben und Leiden? Und wer sagt dir, daß ich lieben und leiden kann?«

Ich verstand sie damals nicht, schwieg, schaute sie an; schaute in den strahlenden Abgrund ihres Auges. Sie fragte: »Kannst du lieben und leiden?«

»Seit ich dich sah —«

Und sie, beständig mit ihrem abgrundtiefen Blick auf mich gerichtet: »Du bist anders als alle. Einen solchen wie du bist, küßte ich niemals. Ich möchte dir die Seele ausküssen. Das möcht' ich! Weil du so ganz anders bist.«

Da entrang es sich mir wieder wie ein Stöhnen: »Ein Tiermensch bin ich! Ein lebendiges Stück Unnatur.«

Ernsthaft meinte sie: »Ein Sänger bist du, ein Dichter. Schmähe dich also nicht selbst ... Jetzt aber komm!«

»Ich soll mit dir gehen?«

»Du sollst mich lieben und sollst um mich leiden. Ich will deine Seele haben: deine Dichterseele! Ich will deine Seele mit meinem Lächeln zerstören, mit meinen Küssen morden. Oder fürchtest du dich eines solchen seligen Todes zu sterben?«

So erfuhr ich, daß es auch für uns ein Sterben gibt. Aber nur dann auch für uns, wenn wir lieben und leiden: unserer Liebe willen blutige Qualen erdulden. Wir sterben an unserer Liebe ...

Aus ihrem lächelnden Munde erfuhr ich's; und sie fragte mich, ob ich an ihr sterben wollte?