Das wollte ich.
12.
Sie schlüpfte von mir fort, schwebte wie ein Silberstreif über die rote Flur, neigte sich nieder, pflückte von den Anemonen, flocht sie zu Gewinden, kränzte mir Haupt und Brust. Auch ihren eigenen schneeweiß schimmernden Leib schmückte sie bacchantisch mit dem Blütenglanz und streute sich die blutenden Tropfen in ihr strahlendes Haar.
Das Blumenspiel der Reizenden begleitete meine Melodien, die trotz der zerrissenen Saite plötzlich einen neuen, gar wundersamen Klang hatten: als wäre auch in meinem Spiel erst die Seele erwacht. Dann streckte ich mich ihr zu Füßen aus, sie setzte sich auf meinen Rücken, und — es geschah in diesem Augenblick, daß der kleine Gott mir die Hände fesselte, die keine Macht wieder lösen kann.
Nun entführte ich meine holde Last an den schönsten und zugleich einsamsten Ort. Es war dies eine wonnige Flur am Gestade eines Alpensees. Nur über die blauende Flut konnte man hingelangen. Ringsum stiegen gewaltige Felsenmauern auf, darüber allein die Wolken und Adler zogen und schwebten. Die Aue selbst war ein einziges Rosengefilde, an dessen Ende eine Grotte sich öffnete, wie eine Halle so feierlich schön. Wände und Decke erglänzten von Kristallen und den Boden umhüllte smaragdgrünes Moos.
Als ich die Geliebte über den See trug, kamen Schwäne geschwommen und gaben unserem Brautzuge das Geleit. Nur ihre winzigen weißen Füße wurden naß. Ich aber beneidete die Wellen, die ihren Fuß küßten, und mißgönnte ihren Anblick den Schwänen. So schlimm stand es gleich anfangs um mich ...
Es ward jedoch schlimmer von Tag zu Tag. Wir hausten in der glanzvollen Grotte und ich wurde nicht nur ihr Liebhaber, sondern ihr Wärter und Wächter, ihr Knecht, Sklave, Leibeigener.
Mit jeder Stunde wuchs mein Leid. Je qualvoller dieses war, um so größer ihre Freude daran. Sonst empfand sie nichts — nichts — nichts! Keine Wonne bei meinen Küssen, keine Seligkeit in meinen Armen. Aber wenn sie meine Liebespein sah, lachte sie mich an; und wenn mir das Herz blutete, kränzte sie meine Stirn. Dazu mußte ich die Leier schlagen und singen zu ihrem Preis.
Mein ganzes Sinnen und Dichten war, sie heiß und heißer zu lieben; ihr mehr und mehr meine Seele zu eigen zu geben und Lieder zu singen zum Preise ihrer jungen holdseligen Schönheit.
Eins jedoch vergaß ich nie: daß sie bereits an den Herzen anderer gelegen hatte. Und noch ein Zweites; daß sie nicht zu lieben und zu leiden vermochte; also keine Seele besaß.