Dann ward er gesund. Ich pflegte ihn; ich liebte ihn. Seine Schönheit war von schier göttlicher Art. Ich mußte ihn lieben! Und ihn lieben müssen hätte das junge Weib — wenn es hätte lieben können.
Es wollte ihn jedoch nur küssen ...
Aus abgrundtiefen Augen lachte sie ihn an: anders, ganz anders, als sie jemals mich angelacht hatte. Sie wand um seine Stirn Kränze, dafür sie die allerschönsten Blumen suchte. Er half ihr suchen und pflücken. Dabei küßte sie ihn. Ich sah es nicht; aber ich wußte, daß sie ihn küßte: anders, ganz anders als mich ...
Wiederum eines schönen Morgens hieß ich beide, sich auf meinen Rücken setzen. Sie gehorchten stumm. Über denn See trug ich das Liebespaar und die Schwäne geleiteten uns. Am jenseitigen Gestade stieg ich ans Land.
Sie glitten von meinem Rücken herab in das blumige Gras, faßten sich bei der Hand, schritten davon: schweigend, ganz schweigend. Mit keinem Blick schauten die beiden jungen lichten Gestalten zurück nach dem Einsamen, dem Tiermenschen, dem alten Kentauren mit den gefesselten Händen und der gemordeten Seele.
Was weiter geschah?
Ich hauste in Öde und Wildnis, rührte meine Leier nie wieder, sang nie mehr ein Lied.
Auf meiner Leier waren sämtliche Saiten zersprungen, und zersprungen war etwas in meinem Herzen.
Auch der Dichter, der ich sein sollte, war tot.
Und das war gut so.