Trotz seiner guten Vorsätze schlief Tullus bald ein. Ihm träumte: Ein Kreuz ragte auf. An dem Kreuzesstamm hing mit eisernen Banden festgeschmiedet, ein sterbender Mensch, von dessen Haupt heller Schein ausging. Unter dem Kreuz stand Acca, mit einem Antlitz, darauf von den Strahlen, die um des Sterbenden Antlitz flossen, ein heller Glanz fiel. Acca winkte ihm, näher zu treten.

Tullus aber sprach: »Das ist ja der Gott aus Nazareth.«

Doch Acca fuhr fort zu winken und das Licht, welches sie verklärte, wurde immer leuchtender, so daß endlich ihre ganze Gestalt erstrahlte. Sie winkte, lockte und lächelte so lange, bis Tullus zu ihr kam und mit ihr zusammen unter dem Kreuze stand, dessen Schein nun auch ihn überflutete. Da hörte er Acca flüstern: »Bist du glücklich, Tullus?«

Und Tullus hörte sich antworten: »Ich bin glücklich.«

Auf einmal war ihm, als klänge der Donner einer göttlichen Stimme in seine Ohren: »So empfanget das ewige Leben.«

Tullus erwachte; aber er glaubte, immer noch zu träumen. Von dem Platz aus, wo er sich zur Ruhe niedergelegt hatte, sah er in das Innere der Grotte hinein, die von dem glühenden Schein mehrerer Fackeln, welche in eisernen Ringen an den Wänden steckten, erleuchtet wurde. Durch die vielen natürlichen Säulen, welche die Decke stützten, erhielt der Raum das Ansehen eines Felsensaals; der Helle der vorderen Höhle folgte geheimnisvolle Dämmerung, hinter der die Finsternis wie eine mächtige schwarze Woge zusammenschlug.

Gestalten füllten die Grotte: Greise und Matronen, Jungfrauen und Jünglinge, wehrhafte Männer. Alle trugen die weiße Festtoga und auf aller Gesichtern lag ein heller Schimmer, Abglanz eines anderen Lichtes, als von den Fackeln ausging.

Sie befanden sich in feierlicher Versammlung beieinander, einen hehren Greis umstehend, der soeben zu ihnen geredet haben mußte, und es schienen alle noch andachtsvoll zu lauschen. Eine tiefe Stille herrschte.

Wie aber ward Tullus, als er Acca erblickte, mitten unter den Jungfrauen stehend, ohne jedes Zeichen von Angst und Befangenheit, zutraulich, als befinde sie sich in einem Kreise von Gespielinnen! Zwei schöne Mädchen hielten sie zärtlich umfaßt und begannen jetzt leise zu ihr zu sprechen. Da schaute Acca herüber und gewahrte, daß Tullus erwacht war; sie schien es den anderen mitzuteilen, denn der Jungfrauen Blicke richteten sich auf ihn. Acca löste sich aus den Armen ihrer neuen Freundinnen und kam auf Tullus zu.

»Wer sind diese und was wollen sie von dir?«