Und es war schon wirklich so, wie es der Söllerbauer in seinem Zorn hinausschrie. Arbeiten mochten sie nimmer, die beiden. Das schienen sie gründlich verlernt zu haben. Etliche Wochen waren sie nun schon daheim und hätten sich vom Faulenzen und Nixtun eigentlich schon erholt haben können, meinte der Söllerbauer.
Wenn die andern, ja sogar die Bäurin, jetzt im Morgengrauen an die Arbeit gingen, dann schliefen der Florl und das Regele bis tief in den Tag hinein. Sogar eine eigene Bedienung beanspruchten sie; denn dem Regele fiel es nicht im Traum ein, auch nur einen Stiefel zu putzen, geschweige denn ihre Kammer aufzuräumen.
Dazu hatte sie sich ihre jüngere Schwester, die Zenz, abgerichtet. Denn das Regele mußte die Pfötchen hübsch weiß und zart erhalten für den Winter, wo sie wieder auf Reisen mit dem Florl gehen wollte.
Was aber den Söllerbauer am meisten gegen die jungen Leute erboste, das war, daß ihnen jeder Sinn für bäuerlichen Fleiß und bäuerliche Arbeit abhanden gekommen war. Denn nicht ein einziges Mal hatten sie mit zugegriffen bei der Feldarbeit. Und wenn alle am Hof, auch die Bäurin und das jüngste der Kinder, das noch kaum einen Rechen ordentlich halten konnte, draußen bei der Heumahd waren und im Sonnenbrand schufteten, daß ihnen der dicke Schweiß von der Stirne perlte, da spazierten der Florl und das Regerl in ihren feinen Gewändern müßig herum, besuchten Bekannte oder machten Ausflüge in die Nachbartäler.
Sie fühlten es gar wohl, die jungen Leute, daß man sie in der Heimat als Müßiggänger verachtete und ihnen nur wenig Freundschaft entgegenbrachte. Sie merkten es, wenn sie zum Nachbar hinüber auf dem Perlmoserhof zum »Hoangart« kamen, daß ihnen der Perlmoser am liebsten die Türe vor der Nase zugeworfen hätte.
Und als es gar erst aufkam, daß sie die Rosina zu der verflixten Singerei beredet hatten, da war es bei dem Perlmoser aus und vorbei. Wie zwei Vagabunden wies er ihnen grob die Türe. Und sie sollten sich nicht mehr unterstehen und sein ehrliches Haus betreten. Das sei zu schade »für söllene zwoa ... wia ös seid's!« schrie er sie an.
Überall, wohin sie kamen, fühlten sie offen oder versteckt das gleiche Mißtrauen. Nur ein paar von den ganz jungen Leuten schlossen sich ihnen an und lauschten gierig auf die Erzählungen aus der Fremde.
Der Florl biß die Lippen zusammen, und zwei eigensinnige Falten prägten sich in seine glatte, junge Stirne ein. Er litt unter der Mißachtung seiner Landsleute weit mehr als das Regele, die wie ein eitles Pfauenweibchen leichtsinnig und geputzt herumging. Sie achtete scharf auf die neidischen Gesichter ihrer Geschlechtsgenossinnen; denn sie wußte genau: neidig waren sie ihr ... trotz allem. Der Florl aber schwor es sich, daß sie ihn und sein Weib einmal noch weit mehr beneiden sollten wie den Kramer Veit.
»Platzen soll'n 's no vor Neid!« sagte er oft wütend zu dem Regele und ballte die Fäuste. »I werd' ihnen den Faulenzer und Tagdieb schon geben! Wenn i erst mehr Geld hab' ... die soll'n Augen machen. Nachher kriechen's vor mir, das weiß i!«
Das Regele dachte nicht viel darüber nach, auf welche Weise denn der Florl noch mehr Geld zusammenbringen wollte. Sie war zufrieden, daß er das mit ihr überhaupt besprach, und hatte volles Vertrauen zu ihm, daß er es auch erreichen würde.