Sie teilte auch nicht die Sorgen ihres Mannes um die allernächste Zukunft, die ihn jetzt oft arg bedrückten. Und diese Sorgen waren eigentlich recht schwer und verursachten dem Florl viel Kopfzerbrechen. Aber er wußte: durchhalten müsse er um jeden Preis. Feig durfte er nicht sein, sondern er mußte das Angefangene mit Energie vertreten.

Der Kramer Veit hatte sich, das stand unwiderruflich fest, von dem Florl losgesagt. Er tue bei dem neuen Unternehmen nicht mehr mit, hatte er ganz entschieden erklärt.

»Denn siegst, Florl ...« meinte der Veit, als sie wieder einmal zusammen über die Sache sprachen ... »eigentlich hab' ich's oft schon bereut, daß i dich und 's Regele damals mit auf meine Reisen g'nommen hab'. I hätt's nit tun sollen ... dös ist mir klar g'worden!« sagte er sehr ernst. »Ös zwei seid's ... nimm mir's nit verübel, Florl, aber i muß es sagen ... andere Menschen g'worden da draußen. Die Luft hat enk g'schadet ... dö habt's nit vertragen.«

Schwer und wuchtig legte der Kramer Veit seine Hand auf die Schulter des Florl, der vor ihm in fast demütiger Haltung stand. Gegen die urwüchsige, bodenständige Kraft dieses Mannes kam der Florl nicht auf. Beinahe wie ein Schulbub nahm er sich gegen den Veit aus, und der Florl wußte es auch, daß ihm der Kramer in jeder Hinsicht weitaus überlegen war.

»Und i mag's nit verantworten, Florl ...« fuhr der Kramer Veit zu reden fort, und seine Stimme klang ungewöhnlich weich ... »daß jetzt no andere junge Leut' in dös fremde Erdreich verpflanzt werden. 's tuat ihnen nit gut!« sagte er mit einem Anflug seiner gewöhnlichen Energie. »I weiß es bestimmt. 's geht wie mit 'n Edelweiß. Wie schön blüht der am Joch droben. Aber Bua ... tua'n aber vom Joch und pflanz' ihn im Tal herunten ein ... wia sieht er nachher aus? Ist a Edelweiß und do keiner mehr. A traurige Blüah ... daß oan 's Herz schwer werden könnt', wenn man ihn siecht.«

Schier traurig sah der Kramer Veit auf den Florl herab, den er weitaus überragte. »Grad a so wie du und 's Regele. Seid's Bauern und do keine mehr. Und, desweg'n sag' i mi los von enk!« fuhr er leiser sprechend fort. »Verantwort' du's ... wenn du kannst, Florl ... was du aus die jungen Mannder und die Dirndeln machst. Und i rat' dir's gut ...« beinahe drohend kam es über die Lippen des Kramer Veit ... »lass' die Händ' weg davon! 's geht nit gut aus, das was du sinnst und planst.«

Wie ein Vater zu seinem Sohn, so hatte Veit Galler, der Krämer, zu dem Florl gesprochen. Voll Nachsicht und voll Güte. Aber er war nicht zu bewegen gewesen, dem Florl auch nur einen Groschen für sein Unternehmen vorzustrecken. Und das war die große Sorge, die den Florl jetzt Tag und Nacht drückte.

Zwei Burschen und zwei Dirndeln wollten in diesem Herbst mit dem Florian Siegwein und seiner Frau in die Welt hinausziehen, und von nun ab würde der Florl für sechs Personen aufzukommen haben. Dies erforderte Geld ... viel Geld. Alle Ersparnisse, die er und die Regina in diesen Jahren gemacht hatten, würden daraufgehen und trotzdem bei weitem nicht hinreichen, sein Unternehmen zu decken ...

Der Tag der geplanten Abreise rückte immer näher, und dem Florl wurde es immer schwüler. Noch einmal nahm er sich ein Herz und wanderte mit der Regina übers Bergl hinüber zum Dörfl und zum Kramer Veit.

Er sei gekommen, um Abschied zu nehmen und das Kind noch einmal zu sehen, sagte er erklärend und nicht ohne Wehmut. Denn es war ihm, als ob er Abschied nähme von einem guten Vater, der bis jetzt schützend seine starke Hand über ihn und sein junges Weib gehalten hatte.