Der Florl und die Regina hatten sich in der Stube neben dem Kramer Veit auf die Bank gesetzt und redeten lange kein Wort. Die Notburg saß wie immer im Herrgottswinkel, tief über eine Näharbeit gebeugt, und der kleine Anderl spielte mit dem Moidele und sah abwechselnd zum Fenster hinaus. Er achtete nur wenig auf seine Eltern, war aber freundlich und nicht mehr so trotzig zu ihnen wie im Anfang. Mit ernstem Sinnen stierte der Florl eine Weile vor sich hin, und der Veit kannte gar wohl die schwere Sorge, die auf dem jungen Mann lastete.
»Bua ...« brach der Kramer nun das Schweigen ... »i rat' dir no amal. Lass' gut sein! Bleibt's daheim, du und 's Regele!« meinte er. »Schau, i leih' enk a Geld. Baut's enk eppas! Arbeitet's! Schaut's, daß ös a Wirtschaft gründen könnt's!« sagte er immer eindringlicher. »Gabst kein' unebenen Wirt ab, du, und 's Regele war' ganz a saubere Wirtin.«
Mit einem Anflug seiner alten polternden Heiterkeit fletschte der Veit die Raubtierzähne und schaute dabei fast zärtlich auf die beiden jungen Leute, die geduckt und kleinlaut neben ihm auf der Bank saßen.
»Könnt's fein hausen miteinander ...« meinte der Kramer ... »und könnt's no etline Kinder kriagen und ...«
Da lachte das Regele laut und geziert. »Könnt' mir einfallen! Sölle Balgen aufziehn! I weiß mir was Besseres!«
Erschrocken hielt die Notburg mit ihrer Näharbeit inne und starrte auf das junge Ding, das so gottlose Reden tat. Und als müsse sie den kleinen Anderl vor dieser Mutter schützen, rief sie laut seinen Namen, und das Kind sprang zu der Pflegemutter und schmiegte sich schmeichelnd an sie. Fast hätte sich die Notburg bekreuzigt, so frevelhaft und gottlos kam ihr die Rede des jungen Weibes vor.
Der Florl aber lenkte ein und entschuldigte das Regerl.
»Sie moant's nit so, 's Regele ...« sagte er beschwichtigend. »Leicht ... wenn wir a Heimatl hätten ... leicht wär's anders dann ... gelt, Regele?«
Es lag etwas in dem Ton des Mannes, das den leichten Sinn der jungen Frau bezwang. Etwas Inniges und Warmes, das sie längst nicht mehr bei ihm kannte. Heiß schoß es ihr in die Augen, und ganz verlegen stammelte sie: »Ja ... freilich ... siegst wohl ...« und jetzt wandte sie sich an die Notburg ... »Unseroans kann do nit an Kinder denken, in der Fremd' draußen.«
Der Kramer Veit war ein viel zu guter Menschenkenner, als daß er dem Regele ihr vorlautes Reden weiter nachgetragen hätte. Er wußte: dieses Weib war noch weich und zu biegen. Noch war sie unverdorben, und wenn sie in die Heimaterde zurückversetzt wurde, konnte sie gedeihen wie ehedem. Er sah dem Florl forschend ins Gesicht und wußte, daß der Sinn des Mannes schwerer zu wandeln sei. Er sah den listig schlauen Ausdruck in den hellen Augen und den eigenwilligen intelligenten Zug in dem jungen Gesicht, der von Kraft und Zähigkeit sprach.