»Wer ist denn das Moidele, das dich so aufg'hetzt hat?« frug das Regele über eine Weile, in der eine peinliche Stille in der kleinen Wohnstube der Notburg geherrscht hatte.

»Das ist halt sei' G'spielin!« erklärte die Notburg. »Schon woltern alt für ihn, aber a bissele schwach da oben.« Die Notburg tupfte mit dem Finger auf die Stirn. »Ist schon bald ausg'schult, 's Madl, spielt aber mit'n Anderl, als ob sie erst sieben oder acht Jahr' alt wär'. Du kennst sie epper wohl no ...« wandte sie sich dann an das Regele. »'s Kind von der Mena ist's ... woaßt wohl ... die sell, die ins Wasser gangen ist.«

Da wurde das Regele ganz still und in sich gekehrt und sagte kein Wort mehr. Sie mahnte ihren Mann aber bald zum Aufbruch; denn es wurde ihr auf einmal schwül in der kleinen, sauber hergerichteten Stube.

Sie mochte nicht gerne erinnert werden an jene harten Stunden seelischen Erlebens, welche die schwersten waren in ihrem jungen Dasein. Wozu auch? Diese Zeiten gehörten ja nun, Gott sei Dank, der Vergangenheit an, und sie brauchte nicht mehr daran zu denken. Und sie dachte auch nie mehr daran, wenn sie draußen war in der großen Welt, die voll Glanz und Erfolg für sie war.

Seitdem sie aber wieder in der Heimat weilte, lebten die alten Erinnerungen mächtig in ihr auf. Das Regele wäre eigentlich froh gewesen, wenn sie nur wieder bald hätte fort dürfen. Es gefiel ihr im Grunde alles nicht mehr so recht in der Heimat. Die Leute sahen sie mit scheelen Augen an, das fühlte sie gar wohl, und ihr und des Florl nobles Auftreten schien ihnen nicht viel Eindruck zu machen.

Auch bei ihren Angehörigen fand sie nur wenig Entgegenkommen und Verständnis. Dem Söllerbauer gefiel es zwar, daß der Florl viel Geld aufzuweisen hatte; denn für Geld hat der Bauer immer ein Verständnis. Daß aber die jungen Leute nur durch ihr Singen allein das Geld erworben hatten, das wollte dem schwerfälligen Dickschädel nicht recht einleuchten.

»Dös ist a Faulenzerei und a Lotterei!« erklärte er mit Bestimmtheit. »Und so eppas tuat a rechtschaffener Mensch nit. Handeln ... ja ... dös lass' i gelten ... und nebenbei singen ... wia dös der Kramer Veit macht. Aber lei so umananderziechen und 's Maul aufreißen und singen ... dös ist koa Arbeit nit!« sagte er mißbilligend.

Die Söllerbäuerin hatte ihre ganze Überredungskunst aufbieten müssen, daß der Vater überhaupt die jungen Leute unter sein Dach aufnahm. Gar nicht wollte er sich dazu verstehen. Bis die Bäurin zornig wurde und ihn anschrie. Da gab er nach; denn der Gewalt dieser Stimme unterwarf er sich. Aber innerlich grollte er noch immer über »dö elendige Faulenzerei« und brummte darüber, »daß man sich vor die Leut' schamen muaß, wia dö zwoa Tagdieb' nix tian wia umananderziagen.«

Der Florl und das Regerl waren recht niedergeschlagen und betraten das elterliche Heim mit geduckten Köpfen und mit dem demütigenden Gefühl, hier bloß geduldet zu sein.

Es war ein recht bescheidenes Kämmerlein, welches das junge Paar bewohnte, und niemand im Haus achtete sonderlich auf sie. Sie gingen alle ihrer Arbeit nach wie sonst und hatten, da es Sommer war, alle Hände voll zu tun.