Der Wastl zog sie sanft von dem Toten fort. »Laß gut sein, Vef! Den weckst du nimmer auf.«
Einige Tage später luden sie die Leiche des Alten von der Gungl auf einen Schlitten und brachten ihn zum nächsten Kirchdorf. Der Wastl hatte bitten gehen müssen, daß Leute vom Tal hereingekommen waren, um ihm bei dieser traurigen Pflicht zu helfen.
Es kam der Vef recht hart an, daß sie nicht einmal beim Begräbnis dabei sein konnte. Sie hatte ihn lieb gehabt, den Alten. Das fühlte sie jetzt erst. Recht lieb ... Und eine Leere war da plötzlich um sie, eine Leere und Kälte, daß sie sich in dem kleinen Raum fast zu fürchten anfing.
Doppelt einsam und verlassen kam sie sich jetzt vor. Daß man so gar keinen Menschen um sich hatte, der einem ein wenig beigestanden wäre! Die Vef mußte bei ihren Kindern zurückbleiben, während sie draußen im Tal den toten Göd in die geweihte Erde betteten.
Er fehlte der Vef an allen Ecken und Enden, der alte Mann. Die Leute in der Einsamkeit der Berge gewöhnen sich mehr aneinander und hängen auch mehr aneinander. Und immer wieder mußte die Vef an den Alten denken, wie gut er gewesen war und wie er nie ein anderes Wörtl als wie ein liebes für sie übrig hatte.
»Jetzt hat man gar kein' Menschen mehr, mit dem man a Wörtl reden könnt' ...« sagte das junge Weib, wenn sie abends noch eine Weile mit ihrem Mann in der spärlich erleuchteten Küche saß; und der Wastl stimmte ihr dann traurig bei.
»Gar kein' Menschen. Freilich. Aber wir haben ja no uns selber, Vef, und aa no die Kinder!« tröstete er dann ...
Das war in jenem ersten Jahr gewesen, nachdem die Rosina mit dem Florl und dem Regele in die Welt hinaus gewandert war. Die Vef hatte oft an diese Schwester denken müssen an den langen, düstern Winterabenden. Was die Rosina wohl treiben würde, und ob sie auch Sehnsucht empfand nach der Heimat?
Es war merkwürdig. Je länger die Zeit verging, desto mehr sehnte sich die Vef fort von der Gungl. Und der erste Winter nach dem Tod des Göd war noch schlimmer wie der vorhergehende. Da überkam es die Vef mit seltsam starker Macht, die Sehnsucht nach der alten Heimat und die Sehnsucht nach dem Alpl hinauf, wo man so unbändig toll und lustig sein konnte.
Die Vef sprach auch mit dem Wastl darüber. Der kannte diese Sehnsucht nicht, hatte kein Verlangen nach den Menschen, war glücklich und zufrieden mit seinem Schicksal und freute sich an seinem Weib und seinen Kindern.