»Freilich. Der Kramer Veit hat mi aufg'nommen dafür. Und ... damit ihr's aa gleich wißt's. I geh' enk überhaupts nimmer da einer in enkere Daxhöhl'n ... wann ihr leicht wieder a Kloans kriagen sollt. I siech nit ein, zu was grad i alleweil daheim herhocken soll. Und wo die Rosina so a fein's Leben hat.«

»Du willst do nit aa no mit'm Florl mitgiahn?« fragte die Vef jetzt ehrlich erschrocken.

Die Julie lachte geziert und laut. »Ja ... warum denn nit? Was die Rosina kann ... kann i döcht aa no. Möcht' grad wissen, wer mir dös verbieten soll?«

»Ja ... und dei' Vater?« frug der Wastl sehr ernst nach einer kleinen Weile.

»Mei! Soll amal übergeb'n, der Vater, wenn er sich nit anders aussiecht.« Die Julie hob gleichgültig ihre vollen Schultern in die Höhe. »Der Jackl wartet eh' schon hart und möcht' alleweil gern heiraten. Und i bin mir aa zu gut dazu, lei alleweil grad in Mistkorb am Buckel zu tragen!« erklärte das Mädel entschlossen. »Und wo der Florl a so gute G'schäft' macht und 's Regele a so a nobles Weibets ist. Naa ... i bleib' nimmer dahoam. Dessell' woaß i g'wiß. Glei' wenn der Florl kimmt, sag' i's ihm!« erklärte die Julie sehr energisch. In diesem Augenblick erinnerte sie ganz an die resolute Art der Vef, nur daß sie trotz allem nicht so temperamentvoll und auch nicht so hübsch war wie diese.

»Du solltest halt heiraten ... Julie ...« mahnte die Vef nach einer kleinen Pause, in der sie nachdenklich und sinnend dagesessen war.

»Heiraten? Moanst?« Die Julie lachte laut heraus. Es klang schrill und häßlich, dieses Lachen. »Und in a söller Daxhöhl'n leben wia du und oa Kind ums andere hab'n?« frug sie spöttisch. »Naa, mei' Liabe! I tat' mi bedanken dafür! Die Rosina ... ja ... die hat an anders Leben wie du. Geld g'nuag und schiane G'wander und braucht nix zu arbeiten und sich um nix zu kümmern. War' oans ja dumm, wenn's nit aa mittat'« ...

Seit jener Unterredung mit der Julie wurde die Vef noch launenhafter. Jetzt schrie sie nicht allein den Wastl an, sondern auch die Kinder waren ihr überall im Wege, und sie teilte Püffe und Schläge aus, ohne eine wirkliche Ursache dafür zu haben.

Als dann nach Lichtmeß das Kleine kam, zeigte die Vef nur wenig Freude an diesem Kind. Es war ein Mäderl und hatte die dunklen Augen und das dunkle Haar vom Wastl. Die ersten drei waren Buben und blond und helläugig wie ihre Mutter.

Die Vef hatte in diesem einen Jahr, nachdem der Göd gestorben war, ihr übermütiges Lachen eingebüßt. Wenn's so weiter ging mit ihr wie bisher, dann würde sie früh altern und ein böses und zänkisches Weib werden.