Dieses Gefühl hatte wenigstens der Wastl, und es drückte ihn schwer, daß er so gar nichts dagegen zu tun vermochte. In ruhigen Stunden der Überlegung sagte sich die Vef das auch selber, und sie war ehrlich genug, die Ursachen dieser inneren Wandlung zu erforschen und schonungslos einzugestehen ...

Das war im Frühsommer, und die Julie war längst wieder daheim und wahrscheinlich schon in ihrer neuen Stellung als Kellnerin tätig. Da fügte es sich, daß die Vef und der Wastl wieder einmal wie in früheren Zeiten ruhig und vertraulich miteinander sprachen.

Seit Wochen hatten sie arges Regenwetter gehabt in der Gungl. Naßkalt war es und unlustig wie mitten im Winter, so daß sie in der Stube hatten heizen müssen. Die Nebel hingen dicht und schwer ins Tal herab und kürzten die langen Sommertage und machten sie grau und bleiern. Die Heumahd hatte zurückstehen müssen, und teilweise war ihnen das Heu während der Arbeit verfault.

Zu solchen Zeiten konnte man hier drinnen nicht viel anderes anfangen, als trübselig in der Stube hocken und geduldig die besseren Zeiten abwarten, die ja doch wieder kommen mußten.

Der Wastl hatte die Zeit aber doch genützt. Hatte draußen vor der Hütte den ganzen Tag hindurch Holz gespalten und den Vorrat dann fein säuberlich an die Wände der Hütte aufgeschlichtet. Das weit vorspringende, mit Steinen beschwerte Schindeldach schützte das Holz vor Nässe, und die Luft trocknete es aus, und bis zum Winter würde der Vorrat rings um das Haus und bis nahezu unter das Dach hinaufreichen und das Häusl so gleich einer zweiten Mauer wärmend umgeben.

Seit dem Tod des alten Göd hatten sie nun etwas mehr Platz in der kleinen Hütte und brauchten die Stube nicht mehr als Schlafraum zu benutzen. Sie hatten jetzt, wie andere Bauersleute auch, ihre richtige Wohnstube, und die Vef hätte eigentlich recht zufrieden und glücklich sein können, wenn sie eben noch dieselbe gewesen wäre wie ehedem. So aber nagte der Neid an ihr und machte sie unzufrieden und launisch. Sie gestand es dem Wastl aufrichtig ein, an jenem Abend, als er müde vom Holzhacken noch eine Weile bei ihr in der Stube saß.

»Weißt, Wastl ...« begann die Vef zögernd ... »amal muß i döcht an offenes Wörtl mit dir reden.«

Die jungen Eheleute saßen allein in ihrer kleinen Stube. Seite an Seite auf der Bank im Herrgottswinkel. Die Kinder schliefen bereits in der Kammer nebenan. Ein Talglicht brannte am Tisch und warf seinen matten Schein gespenstig durch die niedrige braune Balkenstube.

Und draußen plätscherte der Regen einförmig und unaufhörlich, wie jetzt schon seit vielen Tagen. Der Wastl sah müde und schläfrig aus und gähnte laut und ausgiebig von Zeit zu Zeit. Die Vef, in ihrem einfachen Arbeitsgewand, mit der dunkelfärbigen Schürze, hatte die Ärmel aufgestülpt und ihre nackten, schöngeformten Arme auf den Tisch gelegt und stützte ihren Kopf schwer mit der rechten Hand.

»Wenn man's so recht bedenkt ...« fuhr die Vef zu reden fort ... »so haben wir zwei do eigentlich a recht's Hundeleben da herinnen. Schinden und rackern uns und bringen's unser Lebtag auf kein' grünen Zweig.«