Jetzt hielt die Vef mit reden inne und wartete, was ihr Mann darauf zu sagen hätte.
Der Wastl aber sagte gar nichts. Er gähnte nur und bereitete sich vor, nun baldmöglichst in die Schlafkammer zu verschwinden. Denn nun, wußte er, würde der gemütliche Plausch, den er heute abend mit der Vef gehabt hatte, wieder in einer Schimpferei über die Gungl und die hier herrschende Öde und Langeweile enden. Das war jetzt immer so gewesen in der letzten Zeit, und da konnte man eben nichts dagegen tun, als schleunigst die Flucht zu ergreifen.
Die Vef beobachtete mit festen, forschenden Blicken ihren Mann, wie sie so in nachlässig bequemer Haltung auf den Tisch gestützt neben ihm saß.
»Wastl ...« fing sie dann neuerdings zu reden an, und ihre Stimme klang sanft und mild wie schon lange nicht mehr ... »ist dir nit schon selber der Gedanken kömmen ... daß wir's uns eigentlich aa besser einrichten kannten? Schau ... wir waren do no nit alt ... sein all's beide junge Leut', und's ist völlig schad' um uns, daß wir uns da herinn lebendig eingraben tian. Wenn wir halt do eppas Besseres finden taten ... eppas ... i moan ...« Und jetzt stockte sie, leicht verwirrt, und sah fast hilfesuchend zu ihrem Mann auf, der an die Holzwand zurückgelehnt dasaß und die Arme verschränkt unter dem Kopf hielt.
Der Wastl sagte noch immer kein Wort, starrte mit leeren, schläfrigen Augen in die Luft und schwieg. Er war klug und vorsichtig geworden, der Wastl, und wollte nicht durch irgend eine Unvorsichtigkeit den Zorn seines Weibes erregen. Und dann begriff er es überhaupt nicht, auf was die Vef mit ihrem Gerede eigentlich hinauswollte.
Sie mußte also schon deutlicher werden. Das sah sie ein, und die Schwerfälligkeit und Begriffstützigkeit ihres Mannes brachte ihr das Blut in Wallung, so daß sie sich geärgert erhob und mit der flachen Hand zornig auf die Tischplatte schlug.
»Stell' di nit a so deppat!« fuhr sie ihn an. »Du weißt recht gut, was i moan! Verkaufen sollst dö Lotterhütt'n ... dö elendige! I mag nimmer bleib'n da herin!«
Der Wastl war über den jähen Ausbruch seines Weibes zu tiefst erschrocken.
»Aber Vef ...« stammelte er und sah ihr mit seinen guten, treuen Augen ins Gesicht. »Aber Vef!«
»Ja ... freilich! Dös ist wohl alles, was du kannst!« höhnte das Weib. »Aber Vef! Aber Vef! Aber nix da ... sag' i ... i mag nimmer! Tu, was du willst ... aber no an Winter in dem Sauloch da herinnen halt' i einfach nit aus!« schrie sie ihn aufgebracht und zornig an.