Die hübschen Tirolerinnen in der schmucken Tracht ihrer Heimat erregten nicht nur Aufsehen, sondern auch das ganz besondere Wohlgefallen junger, reicher Herren. Und wenn der Florl damals, als er noch mit dem Kramer Veit gereist war, leichtsinnig darüber hinwegkam, daß man sein Regele so umschwärmte, so erkannte er jetzt die Gefahr und stemmte sich mit der ganzen Kraft seiner Bauernnatur dagegen.
Er hatte sich eine eigene, fast ritterliche Art im Verkehr mit seiner Frau angewöhnt. Er wußte: nur wenn Mann und Frau einig waren ... wenn die Frau dem Manne heilig blieb und er ihre Reinheit schützend hütete, konnten sie bei ihrer Truppe vorbildlich wirken.
Und der Florian Siegwein wünschte es vom ganzen Herzen, vorbildlich zu wirken. Es war richtig. Er wollte Geschäfte machen und viel Geld verdienen. Aber nichts Unreines und Unehrenhaftes durfte an diesem Gelde kleben. Das mußte rein erworben werden; denn der Florian Siegwein wollte in der Heimat als ein ganzer Kerl und ein ehrlicher Mann dastehen.
Niemals duldete er es, daß eines seiner Mitglieder allein zu Gast geladen wurde. Wenn junge Kavaliere sich an die Mädchen heranmachten und sie zu Gastmählern einladen wollten, dann winkte der Florian in seiner jovialen, gemütlichen Art, der man nichts übelnehmen konnte, ab.
»Ah naa!« sagte er dann wohl. »Dös geht nit. Die Rosina kann da nit alloan hingehn. Da gehn wir glei' alle mit. Sein oa Familie ... wir Tiroler und haben halt Zeitlang ohne einander!« Und dann lachte er laut und übermütig, so daß die andern unwillkürlich mitlachen mußten. Gegen diese Art war nicht aufzukommen, und der Florian war schlau und pfiffig genug und auch jeder List gewachsen.
So kamen denn die Tiroler immer wie eine Herde zu den Einladungen, mit denen man sie überhäufte. In die feinsten Kreise wurden sie geladen, auf Schlösser und Burgen, und ganz besonders war es die Rosina, die manchen Träger von uraltem Adel zu ihren Verehrern zählte.
Sie ließ sich umschwärmen, wie das früher das Regele getan hatte, mit einer kindlichen Freude darüber und mit der Gefallsucht eines Kanarienweibchens.
Vor der eigenartigen dunklen Schönheit der Perlmoser Rosina hatte die kleine zierliche Regina in den Hintergrund treten müssen. Und das war dem Florian sehr recht; denn jetzt hätte er es nicht mehr ertragen, so wie einstens seine Frau von einem Schwarm von Verehrern umgeben zu sehen.
Noch eines hatte der Florian in dieser Zeit verstehen gelernt. Das war jene Erkenntnis, die der Kramer Veit besaß, vom echten Bauerntum, das in fremdes Erdreich versetzt verderben mußte. An das Verderben glaubte er zwar nicht, aber er sah es an sich selbst und sah es an den andern und erkannte es auch, daß sie alle andere Menschen geworden waren. Menschen mit der Sprache und mit dem Gehaben von Bauern, die sich aber doch besser dünkten wie diese und die Arbeit ihrer Jugend gering schätzten oder gar verachteten.
Und der Florian Siegwein sagte sich: wenn ein Unglück über einen dieser Menschen hereinbräche, daß er seine Stimme oder sein gutes Aussehen einbüßte, so würde er lieber betteln gehen als arbeiten wie ehedem. Und der Florian wußte: darin lag die schwere Schuld, die er auf sich geladen hatte. Ein müßiges, faules Leben hatte er sie gelehrt, ein Leben des Scheinglanzes und der Üppigkeit. Und wenn er jetzt an die bösen Worte vom Perlmoser und vom Söllerbauer dachte, dann mußte er ... wollte er gerecht bleiben ... ihnen beistimmen. Diese Schuld konnte er nur dadurch mildern, indem er trachtete, daß sie Geld ... viel Geld einnahmen.