Ein wahrer Hunger nach Geld war in dem Florian, und diese Gier nach Geld teilte auch seine Frau, die Regina. In diesem Punkt verstanden und fanden sich die Eheleute ganz genau.

Die Regina verstand nicht viel von der inneren, seelischen Entwicklung, die ihr Mann in diesen Jahren genommen hatte. Sie bemerkte sie wohl kaum und kümmerte sich auch nicht darum. Sie sah nur, daß das Unternehmen auch ohne den Kramer Veit gedieh, und sie war stolz auf ihren Florl, der seine Sache so gut machte.

Sie begriff es auch nicht, weshalb der Florian so strenge mit den beiden Dirndeln war und ihnen so gar keine Freiheit gestatten wollte. Und der Florian gab sich auch keine Mühe, sie darüber aufzuklären. Er verlangte von ihr, wie von den übrigen, unbedingten Gehorsam, auch in solchen Sachen.

»Denn,« sagte er, »wo mehrere Leut' beinander sind, muß einer da sein, der leitet. Und das bin jetzt amal ich. Und wann i a Sach' vorwärts bringen soll, nacher heißt's parieren ... grad wie beim Kaiser. Da heißt's einfach: I schaff' an, und du folgst. Und so mach' i's aa!« erklärte der Florian mit einer Energie, die keinen Widerspruch erwartete und auch nicht geduldet hätte.

Die Regina freute sich schon seit vielen Monaten auf das neue Haus in der Heimat und brannte förmlich darauf, sich als Wirtin zeigen zu können. Der Florian hatte auch in diesem Unternehmen eine große Geschicklichkeit bewiesen, und wenn nicht alle Berechnungen trogen, dann würden die jungen Pächtersleute schon in diesem allerersten Sommer ihr Haus voll von Fremden haben.

Beinahe ein kleiner Hofstaat war es, den der Florian Siegwein und seine Ehefrau mit in die Heimat brachten. In drei zweispännigen Kutschen kamen sie draußen in dem stattlichen Dorf angefahren. In der ersten saß der Florian mit seiner Frau ganz allein, und nur mächtige Koffer waren rückwärts und auf den Kutschbock aufgeladen.

In dem zweiten Wagen fuhren die Perlmoser Rosina und die drei andern Mitglieder der kleinen Sängertruppe. In dem letzten Wagen aber saß das Personal des neuen Gasthofes, das der Florian draußen in deutschen Landen aufgenommen hatte.

Da war eine tüchtige Köchin, eine ältere Person, die schon viel Erfahrung auf ihrem Gebiete besaß, und ein jüngeres Stubenmädchen und ein Hausdiener. Mit diesen drei gewandten Gehilfen getraute sich der Florian seinen Gasthof zur Zufriedenheit der Gäste zu führen.

Vor allem hatte der Florian Siegwein großes Zutrauen in die Umsicht der Köchin, der er die Rechte einer Leiterin einräumte und die noch dazu die etwas schwierige Aufgabe übernahm, die junge Frau Siegwein mit den Obliegenheiten einer Wirtin bekannt zu machen.

Die Regina hatte sich ihre Pflichten nun allerdings ganz anders vorgestellt. Sie glaubte, daß es genügen würde, wenn sie mit einem zierlichen weißen Spitzenschürzchen von Zimmer zu Zimmer huschte und sich dann hauptsächlich in dem geräumigen Speisezimmer bei den Gästen aufhielte. Aber die Leiterin, die der Florian gemietet hatte, bestand darauf, daß die Frau Siegwein auch den Pflichten einer Wirtin allen Ernstes nachkam.