Die Regina aber saß jetzt am liebsten in der Küche und leitete von hier aus ihren Hausstand. Da sah und hörte sie alles, was vorging, und sie naschte von den guten Speisen und achtete doch scharf darauf, daß nichts vergeudet wurde. Diese Übersicht und ein gewisses Mißtrauen gegen alles, was etwa zu ihrem Nachteil geschehen könnte, hatte sie sich überraschend schnell angeeignet.
Allabendlich zog die Regina eines ihrer feinen städtischen Gewänder an, belud sich überreich mit goldenen Ketten, Ringen, Broschen und Armbändern und ging hinüber in das große Eßzimmer zu den Fremden. Dort ging sie von Tisch zu Tisch, lachte und plauderte und scherzte mit den Gästen und war wieder das liebe, sorglose Regele von einst.
Die Perlmoser Julie hatte als Kellnerin alle Hände voll zu tun. Ein Glück, daß sie zwei Helferinnen hatte; denn allein wäre sie ihrer Aufgabe wohl oft nicht gewachsen gewesen. Ihre Schwester, die Rosina, und die Zeißler Anna, die auch mit auf Reisen gegangen war, halfen ihr auf Geheiß des Florian Siegwein dabei.
»Müaßt's halt a bissl arbeiten helfen, ös zwei!« hatte der Florl schon während des Winters zu ihnen gesagt. »Nachher g'halt' i enk bei mir im Haus über'n Sommer, und ös braucht's nix zu bezahlen. Aber natürlich, faulenzen, dös gibt's nit. Das kann i nit derlauben.«
Sie überanstrengten sich zwar nicht, die beiden Dirndeln mit ihrer Arbeit. Sie spielten sich ein bissl zum Zeitvertreib und überließen der Julie ruhig und ohne Gewissensbisse den Löwenanteil. Sie schliefen, wie einst der Florl und das Regele, bis tief in den Morgen hinein und durchsangen und durchtanzten die halben Nächte.
Es ging oft hoch her da oben in dem Alpengasthof. Und oftmals kamen die Burschen vom Dörfl herauf, um zuzuschauen beim Tanz. Aber der Florl gestattete ihnen das Zuschauen nicht. In seiner jovialen Art lud er sie ein, mitzutun und ließ ihnen eine Maß Wein nach der andern vorstellen.
Das Wirt spielen, das verstand er großartig, der Florian Siegwein. Er wußte ganz genau, daß ihm der Wein, den er den Burschen spendete, zum Schluß etliche Flaschen Sekt eintragen würde. Denn erst dann, wenn auch die Burschen da waren, kam die Unterhaltung richtig in Schwung. Dann wurde nicht nur gesungen und getanzt, sondern auch tüchtig gezecht.
Auch der Stanis vom Alpl droben fand sich nun öfters hier ein und erfreute sich an dem freien Wein. Er war immer noch ein ausgezeichneter Schuhplattler, und wenn der kleine, haarige, schwarze Kerl mit seiner tollen, affenartigen Behendigkeit zu tanzen anfing und dazu seine frechen Witze riß, dann jubelten ihm die Fremden zu und freuten sich an dieser derben Urwüchsigkeit. Und wäre der Stanis jünger gewesen, so hätte er vielleicht noch manche Eroberung unter den feinen Stadtdamen machen können.
Da waren der Tobias Scholl und der Simeringer Franzl, die beiden Burschen, die mit dem Florian auf Reisen gegangen waren. Es war schwer für diese beiden jungen Leute, eine Beschäftigung über Sommer zu finden. Sie eigneten sich zu nichts mehr so recht, wollten nirgends anpacken und verursachten dem Florian viel Kopfzerbrechen.
Beschäftigen mußte er sie, das wußte der Florian ganz genau; denn so lange Zeit hindurch müßig im Haus herumzusitzen, das konnte bei diesen starken jungen Männern zu nichts Gutem führen. So wies er sie denn an, den Fremden als Führer in den Bergen zu dienen. Sie waren ja in den Bergen aufgewachsen, kannten alle Wege und Fährnisse und vermochten daher mit Leichtigkeit dieses Amt zu versehen.