Mit diesen Burschen gut auszukommen war für den Florian weit schwerer als wie mit den beiden Dirndeln. Ganz besonders schwierig war es hier in der Heimat, wo der Ton zwischen den Fremden und den Sängern ein viel mehr ungezwungener war wie draußen in den Städten. Und der Florian Siegwein hatte manchen harten Kampf mit den Burschen auszufechten.
Oft dehnten sich die Zechgelage bis in die ersten Morgenstunden, und es geschah, daß der Franzl und der Tobias wiederholt nicht mehr ganz nüchtern waren. Gerade das, was der Florl auf seinen Reisen so strenge zu verhüten gewußt hatte, passierte ihm in der Heimat und bereitete ihm schlimme Stunden der Sorge.
Seine Interessen als Wirt verboten es ihm, mit jener unnachsichtigen Strenge dagegen vorzugehen, wie das in der Stadt der Fall gewesen war. Hier konnte er nur durch Güte und Zureden dagegen einwirken. Der Erfolg war, daß die Burschen immer wieder rückfällig wurden, so sehr sie dem Florian auch Besserung versprochen hatten ...
Eines Tages war der Wastl zu dem Florian gekommen und hatte ihm sein Anliegen vorgetragen. Gerade mitten im Hochsommer war's, wo ein Bauer nur schwer von seiner Arbeit fort konnte. Der Florian war daher nicht wenig verwundert, als er den Wastl in der Bauernstube seines Gasthauses sitzen sah. Im Feiertagsgewand war der Wastl und schaute ziemlich gedrückt und kleinlaut drein.
Als der Florian hörte, um was es sich handelte, hatte er zuerst das Gefühl, als müsse er den Wastl mit aller Macht von seinem Vorhaben abbringen. Er tat ihm leid, dieser Mann, der so mit allen Fasern seines Herzens in der Heimaterde wurzelte. Ein Unrecht war's, ihn fortzunehmen von hier. Das wußte und erkannte der Florian. Und deshalb zögerte er, auf den Vorschlag des Wastl einzugehen.
»Weißt was, Wastl ...« sagte der Florian und pflanzte sich breitspurig vor dem schlichten Bauersmann auf ... »i nahmet di und dei' Weib gern mit. Vom Herzen gern. Dös woaßt. Aber ... eigentlich ... i muß dir's döcht sagen, Mensch ... die Sach' paßt do nit für di! Sollst dir's do no gründlich überlegen. Schau ... a Hoamatl legt man nit weg wia an alt's G'wand. Überleg' dir's no ... Wastl!« riet ihm der Florian eindringlich.
Der Wastl saß schwerfällig und ungeschickt auf dem Holzsessel und fühlte sich äußerst unbehaglich in der ganzen Umgebung. Er zog den Kopf ein und starrte nachdenklich zu Boden.
»Hab's schon überlegt, Florl ...« sagte er dann traurig. »Die Vef will's a so haben. Kannst nix machen. Sagt, unser Güatl ist zu kloan für uns alle. Wir sollen Geld verdienen, damit wir a größeres Güatl kaufen können!« erklärte er dem Florl entschuldigend.
Da überkam den Florian Siegwein ein ehrliches Mitleid mit dem Jugendfreund. Er wußte es bestimmt: ein Bauerngut würden die beiden, waren sie erst draußen gewesen, niemals erwerben. Und der Florl sagte ihm das auch ehrlich ins Gesicht. Aber der Wastl glaubte es nicht. Er dachte, daß er für seinen Teil die Sehnsucht nach der Bauernschaft niemals im Leben würde verlieren können. Und so wie er es fühlte, glaubte er es auch von seinem Weibe.
Der Florian Siegwein sah, daß der Sinn des Jugendfreundes nicht zu wandeln war. Schließlich hatte er ja seine Pflicht erfüllt und den Wastl gewarnt. Wenn der es nicht anders haben wollte, weshalb sollte er, der Florian, seinem eigenen Glück hindernd im Wege stehen?